Tierheim Nürnberg

Tierheim Nürnberg - Ein Heim und (noch) kein Zuhause

 
Mark Zimmermann

Erstellt | Geändert

"Animals are not here for us to do as we please with. We are not their superiors, we are their equals. We are their family. Be kind to them."
- Ricky Gervais

Tanja Schnabel, die Leiterin des Tierheimes Nürnberg, hat Bayern online eingeladen, um über ihren Berufsalltag zu berichten.  

 

Ein Tierheim kann ein dauerhaftes Zuhause nicht ersetzen

Tierheim Nürnberg

 

Tierschutzverein
Nürnberg-Fürth u.
Umgebung e.V.
Tierheim Nürnberg
ein liebevolles Zuhause auf Zeit
 

von Liebe und Verantwortung

"Leider werden über das ganze Jahr gesehen Tiere ausgesetzt, nicht nur zur Ferienzeit. Wir bekommen überwiegend Hunde und Katzen, aber auch kleinere Haustiere wie Kaninchen, Vögel oder Chinchillas“, so Tanja Schnabel. Eigentlich schwer zu begreifen. Bereits der an der Raststätte angeleinte und zurückgelassene Hund provoziert bei den meisten Menschen doch Abneigung. Wie aber werden zum Beispiel Hasen oder Vögel „ausgesetzt“? Frau Schnabel erklärt, dass die Tierhalter immer eine Möglichkeit fänden, ihre Tiere loszuwerden: "Es wurden uns bereits Kaninchen im Transporter am Empfang abgestellt. Ohne dass der Besitzer sich zu erkennen gegeben hätte.“ Sie schüttelt den Kopf und fährt fort: „Wir haben es hier durchaus mit einem gesellschaftlichen Problem zu tun. Es kommt immer häufiger vor, dass die Menschen keine Lust mehr auf das Tier haben. Ein Tier zu besitzen, bedeutet eben auch, Verantwortung zu tragen. Das vergessen viele.“

 

"Das Problem ist nicht der Hund, das Problem steht am anderen Ende der Leine"

Die Hunde und Katzen kämen nicht selten mit einer Verhaltensstörung ins Tierheim, so Schnabel. „Sie beißen zu oder sind extrem ängstlich.“ Es komme vor, dass die überforderten Herrchen und Frauchen ihre Sorgenkinder ins Heim brächten, in der Hoffnung, die Pfleger würden die Defizite bei der Erziehung wieder ausgleichen. „Das passiert bei uns auch, wobei wir keine Hundeschule sind. Aber wir arbeiten mit externen Trainern zusammen. Hunde sitzen mittlerweile bei uns viel länger, weil wir sie erst erziehen müssen, bevor wir sie erneut abgeben können.“ Wünschenswert sei daher die Einführung eines Hundeführerscheines, so Schnabel, ganz gleich, um welche Rasse es sich bei dem Tier handle.  

 

liebevolles Zuhause auf Zeit

Unzählige Hunde, Katzen, Kleintiere wie Kaninchen, Meerschweinchen, Ratten, Hamster, Mäuse, Frettchen und Chinchillas, sowie Wellensittiche, Kanarien, Nymphensittiche und andere Vogelarten warten auf ein neues Zuhause.

5Fragen an Tanja Schnabel, Leiterin des Tierheims

1.

Was erwartet Interessierte im Tierheim Nürnberg?

Auf 40000 Quadratmetern bis zu 500 Tiere, die wir wieder vermitteln wollen. Wir sind bundesweit eines der größten Tierheime.

2.

Was ist darüber hinaus die Aufgabe des Tierheims?

Wir vermitteln Tierschutz, arbeiten mit Schulen zusammen und entwickeln Projekte. Kinder sind die Tierhalter von morgen. Unser Ziel muss es sein, dass weniger Tiere ausgesetzt werden.

3.

Welche Tiere gibt es?

Mehrheitlich Hunde und Katzen. Aber wir haben auch kleiner Haustiere wie Kaninchen, Meerschweinchen oder Vögel. Und wir hatten immer mal wieder auch exotische Tiere im Haus. Affen, einen Bären, verletzte Schwäne, allerdings nie Giftschlangen, da wir nicht spezialisiert sind.  

4.

An welche kuriosen oder herzzerreißenden Geschichten können Sie sich erinnern?

Es gab einmal einen Anruf beim Notdienst, dass ein Igel gefunden worden sei, der nur noch schwach atme. Eine Kollegin von uns fuhr hin und musste feststellen, dass es sich beim Igel um eine Kastanie handelte. Weniger lustig war die Ankunft eines total abgemagerten Hundes. Aber wir haben es geschafft, ihn wieder aufzupäppeln und ihm sogar ein neues Zuhause verschafft. Da weiß man, warum man diesen Beruf ausübt.   

5.

Wie kann man das Tierheim unterstützen?

Ehrenamtliche sind bei uns immer willkommen. Wir benötigen durchgehend Helfer bei der Reinigung unserer Anlagen. Wir freuen uns auf Menschen, die einen grünen Daumen haben und unseren Außenbereich betreuen. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, uns mit Geld- und Sachspenden zu unterstützen.

Highlights

Tanja Schnabel Leiterin Tierheim Nürnberg
Tanja Schnabel Leiterin Tierheim Nürnberg
  1. Das Welpenhaus

    Am Samstag, 9. Oktober 2010, wurde in Nürnberg das erste Welpenhaus Europas eröffnet. Es bietet eine professionelle, fürsorgliche Unterkunft für 50 Hunde- und 100 Katzenbabys.

  2. Patenschaften

    An dieser Stelle suchen wir Tierfreunde, die selbst z.B. kein Tier halten können und etwas Gutes tun und ein Tier unterstützen möchten.

  3. mit dem Streichelzoo ins Seniorenheim

    Ehrenamtliche Mitarbeiter besuchen mit der Kaninchengruppe regelmäßig Seniorenheime.

Interview mit Tanja Schnabel Tierheim Nürnberg - Ein Heim und (noch) kein Zuhause

Streichelzoo on tour

„Wir sind auf Hilfe angewiesen“, sagt Tanja Schnabel, die 16 Jahre beim Franken Fernsehen gearbeitet und dort die Tiervermittlungssendung „Für alle Felle“ ins Leben gerufen hat. „Wir beschäftigen zahlreiche Ehrenamtliche, die beim Putzen und Pflegen helfen oder mit unserer Kaninchengruppe Seniorenheime besuchen. Wir freuen uns über jeden Freiwilligen.“ Auch bei der Tierabnahme gebe es regelmäßig Unterstützung. „Es melden sich Menschen mit Erfahrung, die auch ältere, verhaltensgestörte und schwer zu vermittelnde Tiere in ihre Obhut nehmen.“ Bei der Übergabe von Tieren in neue Lebensverhältnisse müsse stets individuell entschieden werden. „Das auf Menschen bezogene und abhängige Tier bestimmt die Anforderungen“, sagt Schnabel: „Das Wohl des Tieres hat bei uns oberste Priorität.“  

So finden Sie das Tierheim Nürnberg

Fragen an das Tierheim in Nürnberg

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Mark Zimmermann

Erstellt | Geändert

Mark Zimmermann ist Gründer von Bayern-online.de und schreibt das Blog Quergereist.de

Interview: Mark Zimmermann
Text: René Becher
Produktion: Birgit Tauscher