Nürnberger Felsengänge

Nürnberger Kunstbunker - Action, Erlebnisse und Kulturevents

 
Mark Zimmermann

Erstellt | Geändert

„Ich führe am besten da, wo ich zuhause bin“, sagt Hannes Ziener, Mitglied des Fördervereins Nürnberger Felsengänge e.V. und seit 2010 Gästeführer in Nürnberg. Zwei Burgen thronen über der Stadt: Kaiser- und Burggrafenburg. Beide Anlagen, deren Geschichte bis ins 11. Jahrhundert zurückreicht, sind wahre Besuchermagnete - und auch für den Tourguide immer wieder aufs Neue zu entdecken.

Nürnberger Kunstbunker - Action, Erlebnisse und Kulturevents

Kunstbunker Nürnberg

Historischer
Kunstbunker in Nürnberg
eindrucksvolle Bunkeranlage aus dem Zweiten Weltkrieg
einmalig in Deutschland

Von modernen Verteidigungsanlagen und historischen Tiefpunkten

„Die mittelalterlichen Festungen sind schon sehr spannend und abgefahren. Umso mehr natürlich, wenn man viele Hintergründe kennt. Die drei Basteien an der Kaiserburg zum Beispiel wurden 1545 unter der Leitung des italienischen Baumeisters Antonio Fazuni fertig gestellt: damals die modernste Anlage nördlich der Alpen. Nun war die Stadt vor möglichen Angriffen bestens gewappnet.“ Die mächtige Befestigungen, hinter denen der Nürnberger Burggarten liegt, sei in siebenjähriger mit viel Aufwand aus dem Sandstein der Region erreichtet worden. „Steinmetze haben das Material zugeschlagen und für die spätere Bezahlung markiert, die Bauern mussten die 400 000 Steine zur Großbaustelle bringen. Kein Wunder also, dass keine Zeit mehr für die Feldarbeit blieb und die Stadt einige Versorgungsengpässe zu meistern hatte.“

Reichskleinodien und der Krakauer Marienaltar

Wenn Hannes Ziener nicht in den Kasematten oder an den Schießscharten, wo „ein bitterer Wind pfeift“, wandelt, dann ist er nicht selten in der Unterwelt Nürnbergs zu finden. „Ich führe durch Bierkeller, ehemalige Bunkeranlagen, Wassergewinnungsstollen und Bierkellern, in denen zu Beginn des Zweiten Weltkrieges Kunstschätze wie die Reichskleinodien gehortet wurden, aber auch Raubkunst wie den ‚Krakauer Marienaltar‘ von Veit Stoß.“ Zeitweise bis zu sechs bewaffnete Männer hätten zwischen Februar 1940 bis April 1945 in den klimatisierten Kunstaufbewahrungsräumen Wache gehalten und dafür gesorgt, dass die technischen Anlagen wie der Notstromaggregat funktionierten. Alle Schätze hätten den Krieg unbeschadet überstanden und wurden in der Folge von den „Monument Men“ an die einstigen Besitzer zurückgegeben.

Video vom Kunstbunker in Nürnberg

 

 

Im Nürnberger Kunstbunker, einem ehemaligen Bierkeller, wurden Nürnberger Kunstschätze während des Zweiten Weltkrieges eingelagert. Somit konnten herausragende Werke vergangender Jahrhunderte für die Nachwelt erhalten bleiben.

Ein Schatz im Mittelalter: Gefiltertes Wasser

Nicht alle Führungen seien für kleine Kinder oder Zartbesaitete geeignet, betont Ziener, und er meint nicht die Kühle und Unebenheiten der Gewölbe: „Wir zeigen eine Diashow, die mit Originalgeräuschen eines Luftangriffes auf Nürnberg unterlegt ist: das kann schon unter die Haut gehen.“ Wissenswert seien die Touren aber allemal. „Ganz fantastisch finde ich die Nürnberger Lochwasserleitung. Damit das gewonnene und durch den Sandstein gefilterte Grundwasser einem Brunnen zugeführt werden konnte, wurde in der Sohle der Wassergänge eine Ablaufrinne angelegt. Von hier aus ging es zu anderen Standorten, zum Beispiel in die Häuser der höher gestellten Bürger wie den Patriziern, oder später auch in die bereits erwähnten Kellerräume mit den von den Nazis versteckten Kunstschätzen, wo es in einem Kühlwasserspeicher für den Antrieb des Dieselnotstromaggregats eingesetzt werden konnte.“

Historischer Kunstbunker

Hier lagerten die bedeutensten Nürnberger Kunstschätze tief unter dem Burgberg.

Geschichte hautnah

„Ich kann nur jedem empfehlen, eine unserer Felsengänge einmal mitzuerleben“, sagt Hannes Ziener, der früher als Finanzplaner für Privatkunden gearbeitet hat, aber nach einem Sabbatjahr und als Hobby-Tourguide überhaupt nicht mehr in den alten Beruf zurückkehren wollte. „Noch immer gibt es einige unterirdische Gänge, die noch nicht begangen worden sind. Mein Wunsch ist es, einmal durch den Palmenhofbunker unter dem Polizeipräsidium zu führen. Dort haben sich in den letzten Stunde des Zweiten Weltkrieges - als die Sieger oben auf den Straßen bereits marschierten - der Gauleiter und Oberbürgermeister noch ein letztes, sinnloses Gefecht mit den Amerikanern geliefert.“ Immer zum Beginn eines Jahres würde der Förderverein Sonderführungen durch bislang kaum gesehene und selten besuchte Anlagen und Gänge anbieten, die Karten hierfür müssten allerdings frühzeitig reserviert werden. „Es lohnt sich - und zeigt, dass nicht alle Geschichte bis weit ins Mittelalter hineinführt. Eine Tour unter dem Hauptbahnhof führt durch einen Bunker, der einst für bis zu 2000 Menschen gedacht war und für etwa zwei Wochen Schutz geboten hätte.“ Für welchen Bedarfsfall? „Eher zur Beruhigung: In den 70ern erbaut, sollte der Ort im Kalten Krieg einige Bürger wohl vor einem Atomangriff bewahren.“

5Fragen an Tourguide Hannes Ziener

1.

Durch welche Anlagen und Orte führen die Touren des Fördervereins Nürnberger Felsengänge?

Durch alle unterirdischen Anlagen der Stadt Nürnberg, darunter (zweckentfremdete) Bierkeller und Bunker. Außerdem besuchen wir die mittelalterlichen Verteidigungsanlagen der Kaiser- und Burggrafenburg.

2.

Welches Material wurde für den Bau der Basteien verwendet?

Zunächst Sandstein aus den Steinbrüchen der Region. Später wurden weitere Schichten auch mit Erde und Müll aufgefüllt. Eine weitere skurrile „Zutat“ erfährt man bei den Führungen durch die Kasematten.

3.

Was sind Lochwasserleitungen?

Lochwasserleitungen sind äußerst schmale, begehbare Stollen zur Gewinnung und Weiterleitung von Wasser. Das Trinkwasser, das von oben nach unten durch den Sandstein sickerte und auf diese Weise gefiltert wurde, war nur für die höher gestellten Bürger gedacht, so zum Beispiel für die Patrizier der Stadt Nürnberg.

4.

Was sind die Monuments Men?

Man sagt: Kunstschutzoffiziere. Die Monuments, Fine Arts, and Archives Section, eine Abteilung der US-Armee zum Schutz des Kunstguts während und nach dem Zweiten Weltkrieg, existierte in den Jahren 1943 bis 1946. Ein gleichnamiger Hollywood-Film unter der Regie und Mitwirkung von George Clooney lief 2014 im Kino.

5.

Welche Schätzen wurden in Nürnberg versteckt?

In den sechs klimatisierten Kunstaufbewahrungsräumen in den ehemaligen Bierkellern waren zum Beispiel die Reichskleinodien, aber auch NS-Beutekunst wie der „Krakauer Hochaltar“ von Veit Stoß gelagert. Alle Schätze haben den Krieg unbeschadet überstanden.

Highlights

Tourguide Hannes Ziener
Tourguide Hannes Ziener
  1. einmalig in Deutschland

    Die eindrucksvolle Bunkeranlage aus dem Zweiten Weltkrieg zeigt Kunstluftschutz, Zerstörung und Wiederaufbau in Nürnberg.

  2. Kunst unter dem Burgberg

    Hier überstanden die bedeutensten Nürnberger Kunstschätze sicher eingelagert den Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs.

  3. tägliche Führungen

    Die Führungen für max. 25 Personen finden täglich statt und dauern ca. 75 Minuten.

Podcast: Nürnberger Kunstbunker - Action, Erlebnisse und Kulturevents Interview mit Tourguide Hannes Ziener

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Mark Zimmermann

Erstellt | Geändert

Mark Zimmermann ist Gründer von Bayern-online.de und schreibt das Blog Quergereist.de

Interview: Mark Zimmermann
Text: René Becher
Produktion: Annegret Bauch