Fränkische Schweiz Museum Tüchersfeld

Das Fränkische Schweiz-Museum Tüchersfeld - Regionalmuseum in beindruckender Felskulisse

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Jeder kennt sie- die zwei markanten Felsen an der Hauptstraße durch die Fränkische Schweiz. Hier liegt seit 1985 das Fränkische Schweiz-Museum in Tüchersfeld in der Nähe Pottensteins. Das Museumsgebäude, das aus alten Fachwerkhäusern des 18 Jahrhunderts besteht, gilt als Wahrzeichen der Region.

Das Fränkische Schweiz Museum in Tüchersfeld - idyllisch gelegen inmitten eindrucksvoller Felsformationen

Fränkische Schweiz Museum Luftaufnahme

Fränkische Schweiz-Museum Tüchersfeld
5 Gebäude
43 Ausstellungsräume
eigener YouTube-Kanal

Reise durch die Erdgeschichte

Das Regionalmuseum zeigt in 43 Ausstellungsräumen in einem Hofkomplex von fünf Gebäuden Exponate von verschiedenen geschichtlichen Epochen.
 
Die erste Epoche stellt die erdgeschichtliche Entwicklung dar. In diesem Bereich sind Fossilien von Meerestieren wie Fischen, Ammoniten und Belemniten ausgestellt. Die Versteinerungen stammen aus der Zeitepoche der Jura, die vor die Zeitepoche der Saurier zu datieren ist. Zu dieser Zeit war das Gebiet der Fränkischen Schweiz noch von einem Meer bedeckt, was schlussendlich bedeutet, dass die Felsen der Fränkischen Schweiz älter als die Alpen sind. Ein Highlight der geologischen Ausstellung ist ein versteinertes Krokodil, in dessen Magen sich Kieselsteine fanden. Analog zu Vögeln schluckte es diese zur Verdauung. Bis heute wurden nur drei Skelette dieser Krokodilart gefunden.

 

Ein Beitrag vom hauseigenen YouTube Kanal

 

 

Jens Kraus präsentiert das Handwerkszeichen der Bierbrauer aus dem Fränkische Schweiz-Museum - den Braustern.

Schwerpunkt Archäologie

In der Archäologie, dem zweiten Abschnitt des Rundgangs, werden die Alt- und Jungsteinzeit, die Eisenzeit, die Bronzezeit, die Kelten, Germanen und Römer sowie die Völkerwanderungszeit fokussiert. In der Vor- und Frühgeschichte dreht sich alles rund um den Neandertaler, dessen Steinwerkzeuge in der Nähe Pottensteins gefunden wurden und somit seinen Aufenthalt in der Fränkischen Schweiz Tribut zollt. Im Folgenden zeigt das Museum die Veränderung der menschlichen Lebensweise, indem Jäger und Sammler in der Neuzeit durch bäuerliche Menschen, für die Sesshaftigkeit im Vordergrund statt, ersetzt wurden. Hervorzuheben in dieser Abteilung sind Prestigeobjekte der Germanen, Waffen, Geräte und Schmuck, die Teile des bayerischen Fundkomplexes und erst seit einigen Jahren im Besitz des Fränkischen-Schweiz-Museums sind. Der Fundkomplex, der in Bayern als einer der größten gilt, gibt Aufschluss über die Jahre nach Christi Geburt.
In der Abteilung zum Mittelalter und der Neuzeit werden neben weiteren Fundstücken eine Scheibenfibel der Karolinger aus Hilpoltstein sowie eine detailgetreue größere Landkarte, die den Angriff der Preußen unter dem Kommando von Prinz Heinrich während des Siebenjährigen Krieges skizziert, gezeigt,. Der damalige preußische Angriff auf die Menschen der Fränkischen Schweiz war jedoch keineswegs der Einzige, war diese Region schon auch zuvor geprägt durch tägliche Bauernkämpfe und Kämpfe im Dreißigjährigen Krieg. Die hohe Burgendichte der Fränkischen Schweiz ist noch heutzutage Zeugnis der geschichtlichen Auseinandersetzungen.

 

Trachten als Blickfang

Trachten zeigen die geschichtliche Entwicklung des Traditions- wie auch Modebewusstseins der Menschen.

Trachten im Mittelpunkt

In allen Epochen werden Kleidung, der Glaube im Sinne der Volksfrömmigkeit, Aberglaube, Gemälde, Kunst, das Handwerk und vor allem Trachten in den Mittelpunkt gestellt. Gerade letzte zeigen die geschichtliche Entwicklung des Traditions- wie auch Modebewusstseins der Menschen. So ließen sich auf Grundlage des gewählten Stoffes, der Bänder und der Farben Aussagen sowohl zum gesellschaftlichen Stand als auch der Religion treffen. Besonders großes Aufsehen erregte die Tracht im 1810, als ein Ehepaar aus der Nähe Bayreuth zur Hochzeit von Ludwig I. in München eine Tracht trug und somit optisch unter den geladenen Gäste Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Dieses Jahr spiegelt nicht nur den Ursprung des Oktoberfestes, sondern verhalf der Tracht als Kleidungsstück zur Renaissance.

 

5Fragen an Museumsleiter Dr. Jens Kraus

1.

Herr Dr. Kraus, was hat Sie in die Fränkische Schweiz verschlagen?

Vor 15 Jahren habe ich mich auf eine Stelle für Museumspädagogik im Fränkische Schweiz-Museum beworben. Ich fand die Menschen hier sehr nett ich bin mit offenen Armen und sehr herzlich begrüßt worden. Mit dem Team hat es auch sofort gepasst.

 

2.

Was war das Fränkische Museum früher?

Bis zum 18. Jahrhundert lebten hier jüdische Familien. Aus dieser Zeit stammt auch noch die Synagoge, einem jüdischen Gebetsraum, in unserer Ausstellung.

 

3.

Was hat Sie als Museum dazu motiviert, einen YouTube-Kanal zu eröffnen?

Wir haben viel mit Kindern und SchülerInnen zu tun. Dabei ist uns aufgefallen, dass Jugendliche sich heutzutage durchaus mit historischen Themen auseinandersetzen, aber sich anders als früher Informationen über YouTube suchen.
 

4.

Was ist eine Barttasse?

Die Barttasse ist eine Porzellantasse mit einem Porzellansteg in Form eines Schnauzbartes in der Mitte. Dieser Steg schützte den mit Wachs präparierten Schnauzbart vor der Wärme des Tees, wodurch kein Wachs in den Tee gelang.

 

5.

Was ist Ihr Lieblingspart im Museum?

Ich finde natürlich alles toll. Im Museum haben wir viele tolle Kleinigkeiten, sei es jetzt unser Höhlenbär aus der Erdgeschichte oder eine Kupferaxt in der Archäologie.

 

Der Museumsrundgang geht weiter

Ein weiteres Highlight auf dem Museumsrundgang ist die aus dem Jahr 1763 original erhaltene Synagoge. Die Synagoge, der jüdische Gebetsraum, stellte bis 1850 das Kernstück der dort leben jüdischen Gemeinde dar. In der Synagoge beten Frauen und Männer getrennt. Der Frauenbetraum ist den Besuchenden noch heute zugänglich, der Männerbetraum kann vom Frauenbetraum betrachtet werden. Neben der Zugänglichkeit der Räume aus damaliger Zeit, berichtet das Fränkische Schweiz-Museum über traditionelle jüdische Feste und Ereignisse, wie zum Beispiel die Bar Mitzwa, Beschneidung, Chanukka, Hochzeit, Sabbat, Pessach und Purim.

 

aus der Synagoge

 

 

Jens Kraus vom Fränkische Schweiz-Museum stellt einen Thorawimpel des 19. Jahrhunderts in der Synagoge des Museums vor.

 

 

Highlights

Museumsleiter Dr. Jens Kraus
Museumsleiter Dr. Jens Kraus
  1. Vielfalt und Abwechslung

    Das Fränkische Schweiz Museum zeigt in 43 Ausstellungsräumen in 5 Gebäuden Exponate aus verschiedenen geschichtlichen Epochen.

  2. Synagoge aus dem Jahr 1763

    Die Synagoge, der jüdische Gebetsraum, stellte bis 1850 das Kernstück der dort leben jüdischen Gemeinde dar.

  3. Reise in das 18.Jahrhundert

    Im Museum besteht die Möglichkeit mittels eines Solo-Rollenspiels aktiv in das 18 Jahrhundert zu reisen.

Bäuerliches Leben in der Fränkischen Schweiz

Das Fränkische Schweiz-Museum ist aktuell dabei die bäuerliche Arbeitsabteilung des Museums neu zu gestalten und somit auf heutigen Museumsstand zu bringen. Es ist bereits bekannt, dass in den 60er Jahren in der Fränkischen Schweiz noch mit Ochsen gepflügt wurde und mit Ochsen das Getreide eingefahren worden ist. Eine Modernisierung oder eine Technisierung geschah flächendeckend erst in den letzten 40-50 Jahren. Im Museum ist im Bereich bäuerliches Leben ein Pflug aus der Mitte des 20. Jahrhunderts gezeigt, der die einfachste bäuerliche Arbeitskultur umfasst.

 

Podcast: Interview mit Dr. Jens Kraus Das Fränkische Schweiz-Museum Tüchersfeld - Regionalmuseum in beindruckender Felskulisse

360 Grad Video

 

Fränkische Schweiz Museum im 360 Grad Video - Ihr könnt Euch im Video umschauen indem Ihr einfach die Maus bewegt.

Das Fränkische Schweiz Museum und die sozialen Medien

Doch nicht nur physisch nimmt das Fränkische Schweiz-Museum den Besuchenden mit auf eine Zeitreise, auch auf YouTube ist das Regionalmuseum mit Filmen in Eigenregie über historische Themen vertreten. In zurzeit vier Filmen (sechs weitere sind in Planung) werden Exponate gezeigt, die zwar im Museum vorhanden sind, jedoch in keiner Dauer- oder Sonderausstellung gezeigt werden. Der YouTube-Kanal entstand aus der Erkenntnis des Fränkischen Schweiz-Museums, dass Kinder und Jugendliche, die einen Großteil der Besuchergruppen des Regionalmuseums ausmachen, sich durchaus mit historischen Themen auseinandersetzen. Anders als früher, als man sich ein Buch von den Großeltern oder der Bibliothek lieh, stellte das Museum fest, dass sich Jugendliche heutzutage stärker über YouTube oder soziale Medien informieren. Um diesen Wunsch nachzukommen und auch um Objekte zu zeigen, die weder im Depot noch einer Sonderausstellung sind, entschloss sich das Fränkische Schweiz-Museum für den YouTube-Kanal, in dem ausschließlich verifizierte Inhalte zum Qualitätserhalt gezeigt werden. Aktuelle Filme thematisieren beispielsweise Fälschungen oder Steinzeitgeräte aus dem vorletzten Jahrhundert, die in der Art und Weise nicht in der Ausstellung gezeigt werden.

 

Interaktives Rollenspiel

Um in geschichtliche Erlebnisse einzutauchen, muss der Besuchende sich jedoch keineswegs mit Filmen zufriedengeben. Im Museum besteht die Möglichkeit mittels eines Solo-Rollenspiels aktiv in das 18 Jahrhundert zu reisen. Hier trifft man auf Jechiel Tigersfeld, einer realen historischen Figur und einem gesuchten Einbrecher und Räuber. So raubte er 1734 eine Gold- und Silberwarenfabrik in Coburg aus, nachdem er 20 Jahren zuvor in ein Kloster einbrach. Bei dem Spiel geht es darum, Jechiel bei dem Einbruch zu helfen, indem der Spielende theoretisch 273 Entscheidungen treffen kann. Von diesen ausgehend löst der Spielende Rätsel im Museum und bringt so die Geschichte zum Ende, wobei der Ausgang von den zuvor getroffenen Entscheidungen abhängt. Das Spiel dauert 45-60 Minuten und ist für Kinder ab 12 Jahren geeignet. Beliebt ist das Spiel vor allem bei Kindergeburtstagen und Schulklassen, deren pädagogische Betreuung im Rahmen der museumspädagogischen Angebote stattfinden kann.
 

 

Was ein Regionalmuseum so besonders macht

Persönlich ist für den Leiter des Fränkischen Schweiz-Museums, Herrn Jens Kraus, das besondere an einem Regionalmuseum, dass man jeden Tag irgendetwas Neues lernen könne, wodurch man sich über die Jahre ein unglaubliches Detailwissen aneigne. So ginge es ihm an und an so, dass er Dinge sehe, mit deren Verwendung er zuerst nichts anfangen könne, bis er sich mit ihnen fokussierter auseinandergesetzt habe. Das Fränkische Schweiz-Museum bietet dafür viele tolle Kleinigkeiten, wie der Höhlenbär aus der Erdgeschichte oder eine Kupferaxt in der Archäologie, die zwar nicht aus der Fränkischen Schweiz, sondern aus Ungarn stammt, und eine stumpfe Schneide hat. Warum das so ist, ist bis heute ein Rätsel für Historiker.

 

So finden Sie das Fränkische Schweiz Museum in Tüchersfeld

Fragen an das Fränkische Schweiz Museum

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Interview: Mark Zimmermann
Text: Wiebke Heinze
Produktion: Birgit Tauscher