Schloss Fantaisie in Bayreuth

Melanie Berger

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Verträumt und unaufgeregt fränkisch liegt das Schloss Fantaisie inmitten einer großzügig komponierten Parkanlage in Eckersdorf-Donndorf, nur ein paar wenige Kilometer von Bayreuth entfernt.
 

Fantaisie muss man haben

Das stilvolle Ensemble wurde einst im Jahr 1758 nach italienischem Vorbild für das Markgrafenpaar Friedrich und Wilhelmine entworfen, konnte aber aufgrund des Todes der Beiden zu Lebzeiten nicht vollendet werden. Erst die Tochter Prinzessin Friederike ließ das Schloss in den Jahren 1763 bis 1765 fertigstellen.  

Die junge Prinzessin bewies nicht nur bei der Namensgebung Geschmack, von ihr stammt nämlich der Name „Fantaisie“, sondern auch bei der Gestaltung des Interieurs. Das von ihr in Auftrag gegebene und von den Brüdern Spindler entworfene „Intarsienkabinett“ gilt als eines der wichtigsten Werke des Bayreuther Rokoko, dessen Kopie heute im Westflügel des Schlosses zu bewundern ist. Das Original selbst befindet sich derzeit im Bayerischen Nationalmuseum. Der „Weiße Saal“ in der Mitte des herrschaftlichen Anwesens ist ein zauberhafter Festsaal mit einem Stuckdekor, dessen Schmucktrophäen auf die „Vier Jahreszeiten“ verweisen. In den anderen Räumen ist das erste deutsche Gartenmuseum untergebracht. Die Bayerische Schlösserverwaltung zeigt seit der Jahrtausendwende Sammlungen, Bilder, Schriften und Videos zu den Themen „Orangerien und Palmenhäuser“, „Die Fantaisie im Wandel der Zeit“ oder „Gartenkunst“.

 

 

Naherholung par excellence

Apropos „Gartenkunst“: Wer diese hautnah erleben möchte, der trete einfach aus dem Museum direkt in den elysisch anmutenden Schlosspark. Der weitläufige Lustgarten steht dem in der Bayreuther Eremitage in nichts nach. Prominenter ist wohl der eine, etwas verwunschener vielleicht der andere. Der Park vereint wiederkehrende Elemente aus den unterschiedlichsten Stilepochen wie Empfindsamkeit, Rokoko, Romantik und Historismus. Ein Spaziergang über das Anwesen, durch schattige Wäldchen und das Labyrinth, über Brücken und kleine Anhöhen, vorbei an der mit Weinstöcken bepflanzten Südterrasse oder der Wasserkaskade mit Sandsteinmuscheln und Fabelwesen, ist wie eine beruhigende, lehrreiche Reise durch vergangene Zeiten. Naherholung par excellence!    

 

Hier, wo Wagner eine Herberge fand

Ein weiteres Highlight ist das im Jahr 1866 erbaute „Hotel Fantaisie“. Die im lateinamerikanischen Hazienda-Stil entworfene Herberge ist ein echter Blickfang. 1872 wohnte hier Richard Wagner mit seiner Familie, das Ehebett von Cosima und Richard existiert noch immer. Nach sechs Monaten „Provisorium“ folgte das nächste: zunächst bezogen die Wagners ein Stadthaus in Bayreuth, bevor die Familie im Jahr 1874 endlich das Haus Wahnfried beziehen konnte, wo des Dichterkomponisten „Wähnen“ nach eigenen Worten endlich seinen „Frieden fand“.

 

Melanie Berger

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