Restitution eines Gemäldes
Bayerische Staatsgemäldesammlungen | Restitution des Gemäldes "Die Musik (Arkadische Szene)" von Albert Lang (Inv. Nr. 12253) an die Erben nach Sofie Heilbronner.
Die Rückgabe dieses Gemäldes wurde am 22. September 2026 im Rahmen einer Rückgabezeremonie in der deutschen Botschaft in Washington, D.C., in Anwesenheit von Nachfahren von Sofie Heilbronner zelebriert.
Im Zuge intensiver Recherchen hat das Referat für Provenienzforschung der Staatlichen Museumsagentur Bayern ein Kunstwerk identifiziert, das Sofie Heilbronner im Zuge der nationalsozialistischen Verfolgung entzogen wurde. Dieser Fall illustriert die systematische Enteignung jüdischen Besitzes und markiert einen weiteren Schritt in der wissenschaftlichen Aufarbeitung des NS-Kunstraubs.
Der Verbleib dieses Werkes von Lang blieb über Jahrzehnte ungeklärt. 2015 wurde es durch die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen als möglicherweise NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut an die Lost Art-Datenbank gemeldet. Eine weiterführende Provenienzprüfung im Jahr 2020 belegte, dass das Werk aus einem Lager in der Lazarettstraße als eine sogenannte „Überweisung aus Staatsbesitz“ in die Sammlung des Bayerischen Landesamts für Vermögensverwaltung und Wiedergutmachung gelangt war. Entscheidende Hinweise lieferten dabei Dokumente der Galerien Heinemann und Helbing, die Sofie Heilbronner als rechtmäßige Eigentümerin des Werkes belegen.
Durch die öffentliche Dokumentation der Provenienzgeschichte und die Lost Art-Meldung konnte 2021 die Holocaust Claims Processing Office (HCPO) als Vertreterin der Erben mit den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in Kontakt treten. Entscheidende Beweise, die Sofie Heilbronner als ehemalige rechtmäßige Eigentümerin des Werkes bestätigen, kamen in Form von Dokumenten der Galerie Heinemann und der Galerie Hugo Helbing ans Licht.
Dieser Fall unterstreicht die Bedeutung systematischer Provenienzforschung und transnationaler Zusammenarbeit bei der Restitution von NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut.
KUNSTMINISTER MARKUS BLUME „Die Spuren von NS-Raubkunst reichen noch immer bis in unsere Gegenwart. Sofie Heilbronner wurde verfolgt, enteignet und zur Flucht gezwungen – ihr persönliches Schicksal steht exemplarisch für unzählige jüdische Familien jener Zeit. Jahrzehntelang blieb der Weg dieses Bildes im Dunkeln. Erst durch intensive Provenienzforschung konnte die Geschichte rekonstruiert werden. Dass dies im vorliegenden Fall gelungen ist, verdanken wir engagierter wissenschaftlicher Arbeit und internationaler Kooperation. Jeder aufgeklärte Fall ist ein wichtiger Schritt hin zu historischer Gerechtigkeit.“
ANTON BIEBL, LEITER DER BAYERISCHEN STAATSGEMÄLDESAMMLUNGEN „Die Rückführung unrechtmäßig entzogener Kunstwerke bleibt ein essenzielles Element historischer Verantwortung und Gerechtigkeit. Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen setzen sich weiterhin für die umfassende Erforschung der Herkunftsgeschichte ihrer Bestände sowie für die Restitution zu Unrecht entzogener Werke ein.
ERBEN NACH SOFIE HEILBRONNER “The return of this painting corrects a longstanding historical wrong and restores to us an important piece of our heritage,” sagte Paul Laporte, Urenkel von Sofie Heilbronner, der im Namen aller Erben sprach. “More than a work of art, it once hung in the Heilbronner home in Munich and remains a tangible connection to a life and world irrevocably altered by the Holocaust. It is one of few surviving witnesses to our family’s life in Germany before persecution and displacement. I thank Anton Biebl of the Bavarian State Painting Collections and Rebecca Friedman of the Holocaust Claim Processing Office for their professionalism and commitment in bringing this restitution to fruition. We are deeply grateful to all those whose integrity and diligence helped make this moment possible. Their efforts ensure that this piece of our story can once again be reunited with the descendants of those to whom it originally belonged.”
KAITLIN ASROW, ACTING SUPERINTENDENT NEW YORK STATE DEPARTMENT OF FINANCIAL SERVICES "This restitution is a testament of the dedicated work of DFS’s Holocaust Claims Processing Office and the strong partnership with the Bavarian State Painting Collections," said New York State Department of Financial Services Acting Superintendent Asrow. "As we celebrate the legacy of Sofie Heilbronner, the Department is committed to working in partnership with government agencies, cultural institutions, nonprofits, and others to recover lost funds and artwork on behalf of survivors and their families."
SOFIE HEILBRONNER – VERFOLGUNG UND FLUCHT Sofie Heilbronner (geb. Wimpfheimer, 1876–1965) war die Witwe des Münchner Bankiers Hugo Heilbronner (1869–1929), Inhaber des Bankhauses A. M. & J. Heilbronner am Maximiliansplatz. Sie besaß mehrere Immobilien in München (Prinzenstr. 13, Aiblingerstr. 7) und Berlin (Westfälische Straße 35). Bis 1938 lebte sie mit Unterbrechungen in München, zuletzt in der Sophie-Stehle-Straße 12 in Neuhausen. Wegen ihrer jüdischen Herkunft wurde Sofie Heilbronner von den Nationalsozialisten verfolgt. Im September 1938 gelang ihr die Flucht in die Vereinigten Staaten mit einem Besuchsvisum.
Sie reiste mit dem Zug nach Rotterdam und setzte am 8. Oktober 1938 mit der „Statendam“ von Boulogne-surMer nach New York über. VERLUST VON IMMOBILIEN UND KUNSTBESITZ Sofie Heilbronner wurde gezwungen, ihre Immobilien verfolgungsbedingt zu veräußern. Ihr in Deutschland verbliebenes Vermögen wurde vom NS-Regime beschlagnahmt. Ein bedeutender Teil ihres Besitzes bestand aus Kunstwerken, darunter ein Gemälde von Albert Lang. In Vorbereitung ihrer Flucht begann Sofie Heilbronner 1936, ihre Wohnungseinrichtung einschließlich der Kunstsammlung zu verkaufen oder versteigern zu lassen. Ihre Versuche, das Gemälde über den Münchner Kunsthandel zu veräußern, sind für die Jahre 1936 und 1938 dokumentiert. 1938 beauftragte sie ein Berliner Speditionsunternehmen mit der Verschiffung ihres Hausrats in die USA. Der Überseecontainer, der auch Kunstwerke enthielt, erreichte jedoch nie sein Ziel: 1943 wurde das Umzugsgut in Berlin durch das NS-Regime versteigert und verwertet. WIEDERENTDECKUNG UND RESTITUTION Unter den verlorenen Kulturgütern befand sich ein Gemälde von Albert Lang.
Der Maler Albert Lang (1847-1933) stammte aus Karlsruhe und war mit Hans Thoma, Arnold Böcklin und Hans von Marées befreundet. Von 1874 bis 1888 lebte er in Florenz, wo er vor allem durch Marées' Werk beeinflusst wurde. Das Gemälde „Die Musik (Arkadische Szene)“ zeigt eine arkadische Szene mit mehreren Frauen und Männern, die einer zeitlosen, idealen Sphäre angehören. Sie wandeln im Garten umher, die beiden Figuren im Vordergrund widmen sich der Musik. Sie vergegenwärtigen die Harmonie zwischen Menschen und Natur in einem goldenen Zeitalter vor der modernen Zivilisation.







