Ein anderer Blick auf David Bowie
Im Pineapple Park ist eine Fotoausstellung zu sehen, die David Bowie fern vom Glamour zeigt: aufmerksam, leise und erstaunlich nahbar.
David Bowie auf der Bühne kennt fast jeder. David Bowie als stillen Beobachter dagegen nur wenige. Genau diese andere, seltene Seite zeigt die Ausstellung „A Day With David Bowie“ jetzt in München.
Im Pineapple Park sind großformatige Schwarz-Weiß-Fotografien der österreichischen Fotografin Christine de Grancy zu sehen. Entstanden sind die Bilder 1994 bei einem besonderen Besuch im Gugging Art Center bei Wien. Bowie war dort nicht als Superstar unterwegs, sondern als neugieriger Gast, der sich Zeit nahm, Kunst auf sich wirken zu lassen und mit Künstlerinnen und Künstlern ins Gespräch zu kommen.
Das macht diese Ausstellung so besonders: Sie zeigt keinen inszenierten Starauftritt und kein übliches Promi-Shooting. Zu sehen ist ein reflektierter David Robert Jones, wie Bowie mit bürgerlichem Namen hieß. Einer, der schaut, zuhört und sich berühren lässt. Genau darin liegt die Stärke dieser Serie.
Christine de Grancy hielt diese Momente mit einem sehr feinen Blick fest. Ihre Bilder wirken reduziert, klar und ruhig. Sie erzählen über Gesten, Blicke und Abstände. So entsteht eine Nähe, die man bei einem Weltstar dieser Größenordnung kaum erwartet. Für Bowie-Fans dürfte das ein seltener Zugang zum Mythos sein. Für Kunstinteressierte ist es zugleich ein spannendes Stück Zeitgeschichte.
Dazu kommt ein starker Kontrast in der Ausstellung: der begehbare „Walla-Raum“ des Gugginger Künstlers August Walla. Der Raum ist bunt, dicht und voller detailreicher Wandzeichnungen. Gerade dieser Gegensatz zu den Schwarz-Weiß-Fotografien macht den Rundgang reizvoll. Man versteht dabei besser, warum Bowie von dieser Kunst so fasziniert war.
Auch die Geschichte hinter den Fotos ist bemerkenswert. Bowie besuchte das Gugging Art Center damals auf Einladung von André Heller, gemeinsam mit Brian Eno. Der Aufenthalt soll ihn später auch für das Album „Outside“ inspiriert haben. Umso spannender ist es, diese Bilder heute zu sehen: als Momentaufnahme eines Künstlers, der selbst auf der Suche nach neuen Ideen war.
Dass die Schau zuvor in Santa Monica in L.A. so großen Zuspruch bekam und mehrfach verlängert wurde, zeigt, wie groß das Interesse an diesen bisher kaum bekannten Aufnahmen ist. Jetzt macht die Ausstellung in München Station – und öffnet eine Tür zu einem Bowie, den viele so noch nicht erlebt haben.
Traurig bleibt, dass Christine de Grancy die Eröffnung der Ausstellung in L.A. nicht mehr erleben konnte. Ihr Werk aber spricht weiter. Und genau das spürt man in dieser Schau: einen präzisen, poetischen Blick auf Menschen, Räume und leise Momente.
Wer Bowie einmal anders sehen will als in Glitzer, Licht und Legende, sollte sich diese Ausstellung nicht entgehen lassen.
Veranstaltungsinfos
Datum: noch bis Sonntag, 12.04.2026
Uhrzeit: täglich 10.30 bis 19.30 Uhr
Ort: Pineapple Park, ehem. Paketpost-Areal, Bauteil 3, Arnulfstr. 195, 80634 München
Anfahrt: S Hirschgarten, Tram 16/17 Briefzentrum
Tickets: https://adaywithdavidbowie.reservix.de
Online: www.adaywithdavidbowie.com









