Kultur in der Fränkischen Schweiz

Osterbrunnen Fränkische Schweiz

Birgit Tauscher
Birgit Tauscher

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In der Fränkischen Schweiz schmücken  rund 200 Orte Ihre Brunnen zu Ostern, die dann von tausenden Besuchern in organisierten Busfahrten bewundert werden.

Aktuelles

In diesem Jahr werden die zahlreichen Osterbrunnen in der Region aufgrund der Corona-Krise und der damit verbundenen Ausgangsbeschränkungen nicht geschmückt.

Osterbrunnen - ein Brauch aus der Fränkischen Schweiz

Osterbrunnen haben eine lange Tradition in der Fränkischen Schweiz. Der erste Osterbrunnen ist wahrscheinlich 1909 in Aufseß geschmückt worden, wobei die Gründe für dessen Entstehung unklar sind. Seitdem hat sich der Brauch in der Fränkischen Schweiz verbreitet, während der Kriegs- und Nachkriegszeit ist er dann aber fast ausgestorben. Ab den 50er Jahren wurde er dann wieder revitalisiert und hat sich auch über die Grenzen von Oberfranken verbreitet.

 

Und was sind eigentlich diese Osterbrunnen?

Osterbrunnen sind öffentliche Brunnen oder auch Quellen, die mit bemalten Ostereiern und anderen Verzierungen wie Blumen, Kränzen und Girlanden geschmückt werden. Ursprünglich wurde dies in der Osternacht gemacht, heutzutage werden viele Brunnen schon eine Woche vor Ostern geschmückt. Die Vorbereitungen können aber mehrere Wochen oder sogar Monate dauern.

Bevor der Brunnen überhaupt geschmückt werden kann, muss er ordentlich gesäubert werden. Erst wenn er komplett sauber ist wird er mit den zahlreichen Girlanden, Fichtenzweigen, farbig bemalten und verzierten Eiern und Blumen geschmückt. Durchschnittlich werden um die 2000 Eier verwendet. Die Anordnung der Ostereier erinnert meist an eine Krone, deshalb wird sie auch Osterkrone genannt. Die Farben für die Ostereier werden auch bewusst gewählt. So findet man rote Eier, die die Passionszeit symbolisieren und gelbe Eier, die die Lebensfreude symbolisieren.

Dem Wasser in diesen Brunnen wurde dann eine magische Wirkung nachgesagt. Kinder, die mit frisch geweihtem Wasser aus diesen Brunnen oder Quellen an Ostern getauft wurden, sollten besonders schlau werden. Auch wurde das Wasser getrunken um sich vor Krankheiten zu schützen und in den Häusern verspritzt um Ungeziefer fernzuhalten.

Den berühmtesten Osterbrunnen findet man in Bieberbach. Mehr als 11.000 handbemalte Eier haben ihm im Jahr 2000 sogar zu einem Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde verholfen. Es besteht ein regelrechter Wettbewerb unter den vielen Orten um den schönsten, den größten und den authentischsten Osterbrunnen.

Welche Osterbrunnen muss man unbedingt sehen?

Der bekannte Osterbrunnen in Bieberbach ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Zwar wurde sein Rekord 2005 in Sulzbach-Rosenberg in der Oberpfalz und dann 2014 von der oberschwäbischen Gemeinde Oberstadion überholt, ist aber immer noch einer der größten Osterbrunnen in der Fränkischen Schweiz.

Auch viele Schlösser und Burgen schmücken ihre Brunnen, so kann man zum Beispiel einen wunderschönen Osterbrunnen vor dem Schloss Fantaisie in Eckersdorf oder vor Schloss Thurnau bewundern. Auch unterhalb der Burg Pottenstein ist auf dem Marktplatz der Brunnen schön geschmückt.

Es gibt unter den vielen Osterbrunnen auch ein paar Raritäten. Einer der schönsten Brunnen befindet sich am Marktplatz in Heiligenstadt, in Drosendorf findet man eine “Osterbrücke” und in Obertrubach eine geschmückte Quelle. In Waischenfeld wird der Osterbrunnen jedes Jahr mit einem großen Fest eingeweiht und auch in Birkenreuth kann man etwas ganz besondereres finden - hier kann man nämlich die einzige “Osterkrippe” bewundern. In Manchen Orten werden gleich mehrere Brunnen geschmückt, zum Beispiel in  Ebermannstadt, Gasseldorf, Rüssenbach, Egloffstein oder Niedermirsberg.

Der größte Osterbrunnen der Fränkischen Schweiz

Der größte Osterbrunnen der Welt - oder zumindest der Fränkischen Schweiz - befindet sich in Bieberbach bei Egloffstein. Im Jahr 2000 hat es der Brunnen in der Ortsmitte mit 11.108 liebevoll handbemalten Eiern in das Guinness-Buch der Rekorde geschafft.

Der Brunnen wird von Freiwilligen geschmückt, die viele Wochen mit Vorbereitungen verbringen. Das Bemalen einer Eierschale dauert im Duschschnitt 1-2 Stunden und um die vielen Eier zu halten werden über vier Meter handgeflochtene Girlanden gebraucht.

Direkt neben dem Brunnen befindet sich auch die Häschenschule, die vor allem bei Kindern sehr beliebt ist.

Jeder Osterbrunnen-Fan sollte nach Bieberbach kommen um sich diesen Brunnen anzuschauen! Dank seiner Lage direkt in der Ortsmitte ist er sehr gut mit dem Bus erreichbar, aber auch mit dem Auto kann man ihn besuchen.

Natürlich gibt es hier auch Unterhaltung: An Ostersonntag und Ostermontag gibt es hier Standkonzerte - ein Posaunenchor und Männerchor treten hier auf.

Rekord in Bieberbach

Osterbräuche in der Fränkischen Schweiz

Ursprung der Osterbrunnen

Viele Menschen denken, dass die Osterbrunnen ein Jahrhunderte alter Brauch sind. Tatsächlich wird aber, laut mündlicher Überlieferungen, der erste Brunnen erst 1909 in Aufseß geschmückt. Warum, ist nicht sicher. Es gibt verschieden christliche Interpretationen, am häufigsten wird das österliche Schmücken der Brunnen aber auf die Wasserarmut in der Fränkischen Schweiz zurückgeführt.

Trinkwasser war damals nicht selbstverständlich. In höher gelegenen Gebieten mussten Frauen teilweise bis in die 50er Jahre Wasser aus dem Tal holen und mühsam den Berg hinaufschleppen. Als dann in den Dörfern Brunnen angelegt wurden, hat man diese wertgeschätzt und sich um sie gut gekümmert. Vor allem nach dem langen Winter hat man den Brunnen aus Freude und Dankbarkeit herausgeputzt. Manche denken sogar, dass das Wasser durch dieses putzen gnädig gestimmt wurde - in den heißen Sommermonaten wurde das Wasser nämlich trotz Brunnen knapp.

In Aufseß wird der Osterbrunnen nach der hundert Jahre alten Tradition geschmückt - relativ schlicht und natürlich, nicht kitschig. In einem Punkt brechen sie die Tradition aber, denn der Brunnen wird nun nicht in der Nacht von Samstag auf Ostersonntag, sondern am Gründonnerstag geschmückt. In vielen Orten in der Fränkischen Schweiz werden die Brunnen jedoch noch früher, meistens mindestens eine Woche vor Ostern, gereinigt und geschmückt.

Und das vor allem aus einem Grund: Touristen. Von Jahr zu Jahr kommen immer mehr Touristen die verschiedenen Brunnen besichtigen. Es wird sogar gesagt, das der Tourismus der ursprüngliche Grund für die Entstehung dieses Brauches ist, oder zumindest der Grund, warum diese Tradition in vielen Orten übernommen wurde. Am Anfang des 20. Jahrhunderts war die Fränkische Schweiz eher besucherarm. Dank der Osterbrunnen wurde sie dann aber während der Frühlingsmonate zu einem Besuchermagneten. Dank ihrer Popularität entstanden nun auch die ersten Fehldeutungen zu dem Ursprung der Osterbrunnen.

Manche deuteten diesen als Überreste eines slawischen heidnischen Brauchtums. Diese Idee wurde später von der NS-Propaganda übernommen und zu einem germanischen Brauch mit uralten Wurzeln umgedeutet. Die Propaganda hat jedoch nur wenig Beachtung erhalten und wurde somit nicht allzu oft verwendet. Währen und nach dem Krieg ist der Brauch dank Rationalisierung vieler Güter fast ausgestorben, in den 50er Jahren wurde er dann aber von engagierten Menschen wieder eingeführt. In den 70er und 80er Jahren waren dann die Osterbrunnen so populär, dass man sie nicht nur außerhalb der Fränkischen Schweiz in Bayern, sondern auch in anderen Bundesländern finden konnte.

Osterbrunnen Heiligenstadt - das besondere Schmuckstück

Auch in Heiligenstadt wird direkt am Marktplatz beim Rathaus jedes Jahr der Johann-Daum-Brunnen zu Ostern mit vielen bunten Eiern, Girlanden, Schleifen und Blumen geschmückt.

Das Besondere hier - die sogenannten “Fenstereier”. Die Hühnereier werden zwar auch geblasen, werden dann aber auf einer Seite geöffnet und im Inneren werden dann österliche Szenen in Miniaturformat gezeigt. Diese Eier werden von den Frauen aus dem Fränkische Schweiz Verein liebevoll hergestellt. Die vielen bemalten Eier im unteren Teil des Brunnens sind die Kreationen der Schulkinder aus Heiligenstadt. Insgesamt kommen so jedes Jahr mehr als 2.800 Ostereier auf dem Brunnen zusammen.

Nach Ostern ist auf dem Marktplatz eine Woche lang ein Ostermarkt mit verschiedenen Kunst- und Handwerksbetrieben. So kann man hier neben wunderschönen Ostereiern auch frisches Bauernbrot oder leckeren Glühwein kaufen. An Ostern gibt es dann auf der Bühne ein Osterprogramm für kleine und große Gäste.

Im Markt Heiligenstadt gibt es insgesamt 15 Brunnen die mit insgesamt über 25.000 Eiern geschmückt werden. Viele dieser Eier zeigen heimatliche Motive aus Franken und der Fränkischen Schweiz, zum Beispiel Kirchen, Gemeinden, Geschäfte, oder auch das Schloss Greifenstein. Andere Eier werden dann mit Frühlingsmotiven bemalt, wie verschiedenen Tier- oder Blumenmotiven und österlichen Sprüchen.

Osterbrunnen Highlights

Bei rund 200 geschmückten Osterbrunnen kann es schwer sein sich zu entscheiden, welche man besichtigen möchte. Wir haben eine Liste von Osterbrunnen zusammengestellt, die etwas Besonderes zu bieten haben - Osterbrunnen, die eigentlich keine Brunnen sind, der größte Osterbrunnen der Welt, der angeblich schönste Osterbrunnen und vieles mehr.

Eine kleine Auswahl der Osterbrunnen-Highlights in der Fränkischen Schweiz

  1. Bieberbach

    In Bieberbach befindet sich der größte Osterbrunnen der Welt, der mit mehr als 11.000 handbemalten Eiern geschmückt ist. Dieser Brunnen ist ein Muss für jeden Osterbrunnen Pilger!

  2. Gößweinstein


    In Gößweinstein gibt es gleich zwei Osterbrunnen. Direkt unterhalb der berühmten Wallfahrtsbasilika von Balthasar Neumann und im Kurpark des Hotels Stempferhof. Beide Brunnen sind wunderhübsch geschmückt, der Osterbrunnen unterhalb der Basilika punktet bei vielen Besuchern vor allem wegen seiner Lage.

     

  3. Heiligenstadt

    Einer der schönsten Osterbrunnen in der Fränkischen Schweiz ist in Heiligenstadt auf dem Marktplatz zu finden, Das ganz Besondere an diesem Brunnen sind die Eier, die nicht nur bunt bemalt, sonder geöffnet sind.

  4. Drosendorf

    Wer in Drosendorf nach einem Osterbrunnen sucht, wird nicht fündig. Hier gibt es etwas ein bisschen anderes, nämlich eine Osterbrücke. Die Steinerne Brücke über die Aufseß wird hier jedes Jahr liebevoll mit Girlanden und Eiern geschmückt.

     

  5. Obertrubach

    In Obertrubach findet man an Stelle von einem Osterbrunnen eine Osterquelle. Es handelt sich hierbei um eine Kraftquelle, die in mehreren Quelltöpfen zutage tritt.

     

  6. Birkenreuth

    In Birkenreuth wird das ganze 13m hohe Brunnenhaus mit rund 3.000 Ostereiern und Girlanden geschmückt.  Ganz besonders ist hier jedoch die Osterkrippe im Inneren des Brunnenhauses, die einmalig ist. Die Krippe, 90 Figuren und sämtliche Requisiten wurden liebevoll von Hand gefertigt.

Osterbräuche - Brauchtum rund um die Osterbrunnen

Man kann sich fragen, was alles eigentlich zum Brauch von Osterbrunnen gehört. In vielen Orten ist es nur das schmücken der Brunnen, in anderen Orten kommen aber noch andere österliche Bräuche dazu.

Das schmücken des Brunnens an sich wurde in der Vergangenheit traditionell in der Nacht von Samstag auf Ostersonntag gemacht. Fränkisch wird dies auch das “Putzen” des Brunnens genannt. Die Quelle musste zuerst gründlich gesäubert werden, dies wurde auch “Brunnen-fegen” genannt und ursprünglich von jungen Männern und Burschen durchgeführt. Während der Brunnen gesäubert wurde, versammelten sich Mädchen im heiratsfähigen Alter und fingen an, Bäumchen und Zweige mit bunten Eiern und Bändern zu schmücken. Die Burschen durften anschliessend die Schmuckbäumchen feierlich aufstellen. Dieser Brauch wird heutzutage nicht mehr eingehalten. Die meisten Brunnen werden teilweise schon eine Woche vor Ostern geschmückt, an dem Schmücken selbst beteiligen sich dann Freiwillige, Vereine und Kinder gleichermaßen.

Auch das Ostersingen, ein Brauch mit langer Tradition, ist heutzutage sehr selten. Angeblich wurde früher das Osterfest am Brunnen eingesungen, nun wird nur noch in Engelhardsberg diese Tradition eingehalten und in der Osternacht werden hier christliche Choräle gesungen. Der Brauch wurde in anderen Orten in einer etwas anderen Form aufgegriffen, und zwar treten dort an Osterfeiertagen Blaskapellen und Chöre auf. Beispiele dafür sind Heiligenstadt und Bieberbach.

Ein Brauch, der nicht nur in der Fränkischen Schweiz, sondern auch in anderen Gebieten eine lange Tradition hat, ist das Osterwasserholen. Dem Osterwasser wurden viele Wirkungen zugeschrieben. Es sollte das Hautbild verbessern, vor Ausschlag beschützen, vor Krankheiten bewahren, im Stall versprengt sollte es das Vieh behüten und bei richtiger Anwendung reiche und gute Ernte bringen. Natürlich kamen diese gaben nicht umsonst. Das Wasser musste von unberührten jungen Mädchen um Mitternacht geschöpft und lautlos nach Hause gebracht werden. Auch dieser Brauch ist heutzutage fast komplett verschwunden.

Symbole der Wasserverehrung


Die Tradition, Brunnen zu Ostern zu schmücken, ist vor zirka 100 Jahren entstanden. Oft wird angenommen, dass sie aus Dankbarkeit für das Wasser, das in den Orten der Fränkischen Schweiz sehr knapp war, gesäubert und geschmückt worden. Der Brauch hat sich, vor allem seit den 70er Jahren, stark verändert. Heutzutage werden die Brunnen (aber auch Quellen, Brücken, Weiher und viele weitere Orte) natürlich auch zur Feier des Wassers, das ein Symbol des Lebens ist, geschmückt. Vielmehr hat sich der Brauch aber zu einer Art kreativen Wettbewerb zwischen den vielen Orten verwandelt, der Jahr für Jahr tausende Touristen in die Fränkische Schweiz lockt.

Ursprünglich wurden die Brunnen relativ schlicht geschmückt - mit frischem Grün und bunten Eiern und Bändern.

Bäume und Zweige wurden auch schon seit der Entstehung der Osterbrunnen verwendet. Diese werden bei vielen religiösen Feiern, nicht nur zu Ostern, entsprechend geschmückt - man denke dabei vor allem an den Weihnachtsbaum oder an Hochzeiten. Zu Ostern werden sie dann mit dem Wunsch nach üppigem Gedeihen der Natur verwendet und österlich geschmückt. Am häufigsten werden hierbei Nadelbäume eingesetzt, aber, solange sie bereits grün sind, auch Birken. Zweige von Fichten, Tannen und Buchsbäumen können dann als geflochtene Girlanden in den Bögen und Kronen gefunden werden, die nicht Teil der ursprünglichen Tradition waren, sondern eher einen neueren Ursprung haben. So kommen neue und alte Traditionen zusammen.

Viele Brunnen werden aber neben Bäumen und Zweigen auch mit Blumen und Blüten geschmückt. Sie Symbolisieren den Frühling, das Erwachen der Natur und sind ein Ausdruck der Freude.

Eines der Hauptelemente, dass von Anfang an beim schmücken der Osterbrunnen eingesetzt wurde und das eigentlich das bekannteste Osterelement ist das Osterei. Eier Symbolisieren neues Leben und Fruchtbarkeit. Auch die Farben, mit denen die Eier bemalt sind, werden nicht zufällig ausgewählt. So symbolisieren rote Eier die Passionszeit, gelbe Eier wiederum Lebensfreude.

Auch die sogenannten “Pensala”, bunte Bänder die zu einem Büschel zusammengebunden werden, sind ein Symbol der Lust am Leben. Ursprünglich wurden nur bunte Bänder zum schmücken der Brunnen verwendet, heutzutage sind große Schleifen dazugekommen.

Die schönsten Osterbrunnen in der Fränkischen Schweiz

Birgit Tauscher
Birgit Tauscher

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Birgit Tauscher ist im Team Bayreuth Ansprechpartnerin für Kunden und im redaktionellen Bereich tätig. In ihrer Freizeit kocht und backt sie leidenschaftlich gerne für Familie und Freunde oder plant schon mal den nächsten Campingurlaub.