Wie man als Besitzer eines E-Autos von der THG-Quote profitiert - E-Auto beim Auftanken

Wie man als Besitzer eines E-Autos von der THG-Quote profitiert

Tobias Wringer

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Bis 2050 soll Deutschland klimaneutral werden! Zur Erfüllung dieses Ziels verabschiedete die Regierung 2019 das Klimaschutzgesetz, mit dem verbindliche Ziele zur Treibhausgasminderung für die Jahre 2020 bis 2030 erlassen wurden. Für den Verkehrssektor, der für einen großen Teil des CO2-Ausstoßes verantwortlich ist, wurde schon 2015 die THG-Quote (Treibhausgasminderungsquote) eingeführt. Seit Anfang 2022 können auch HalterInnen von privat genutzten E-Autos davon profitieren. Über die Beantragung einer sogenannten THG-Prämie werden jährlich pro Fahrzeug mehrere hundert Euro ausgezahlt!

Was ist die THG-Quote?

Wer in Bayern und in ganz Deutschland vollelektrisch mit dem Auto unterwegs ist, profitiert in mehrfacher Hinsicht. Zum einen werden Kfz mit Elektroantrieb bei der Anschaffung in Form eines Umweltbonus mit mehreren tausend Euro subventioniert. Zum anderen sind die Fahrzeuge bis zum 31.12.2030 von der Kfz-Steuer befreit. Damit soll die landesweite Flotte an E-Autos merklich ausgebaut werden.

Seit Anfang des Jahres verfügen die BesitzerInnen von E-Autos mit der THG-Prämie über eine weitere Einnahmequelle. Die Prämien werden von Zwischenhändlern beantragt und ausgezahlt. Über einen Vergleich können E-Auto-HalterInnen die besten THG Anbieter finden.

Der Hintergrund der THG-Prämie

Der Verkehr auf deutschen Straßen stößt etwa 20 % der hiesigen Treibhausemissionen aus. Darum wurden die Konzerne der Mineralölwirtschaft dazu verpflichtet, den Ausstoß von CO2 drastisch zu reduzieren. Betroffen davon sind alle Betriebe, die Kraftstoffe für Diesel- und Ottomotoren in Umlauf bringen. Die THG-Quote gibt den Unternehmen vor, um wie viele Prozentpunkte sie die jährlichen Emissionen ihrer Treibstoffe senken müssen. Für das Jahr 2022 beträgt dieser Wert 7 %. Er wird sukzessive bis auf 25 % im Jahre 2030 steigen. Wer sich nicht an die Vorgaben hält, dem drohen Strafzahlungen von 600 EUR pro Tonne CO2.

Die Vorgaben sind streng. Die Unternehmen haben die Möglichkeit, ihre Treibstoffe umweltfreundlicher zu produzieren oder mehr Biokraftstoffe herzustellen. Eine dritte Alternative besteht in der Anrechnung des Stromes, den Elektrofahrzeuge verbrauchen. Im gewerblichen Bereich wird von dieser Methode schon länger Gebrauch gemacht. So verkauft die öffentliche Hand als Inhaber von Ladesäulen den betreffenden Konzernen schon seit geraumer Zeit sogenannte Emissionszertifikate. Diese bescheinigen den Betrieb von Fahrzeugen mit elektrischer Energie.

Nun partizipieren auch Privatleute an diesem Geschäft. Um in den Genuss der THG-Prämie zu kommen, muss ein Antrag an das Umweltbundesamt gestellt werden. Daraufhin wird ein Emissionszertifikat ausgestellt, welches an ein Unternehmen aus der Mineralölwirtschaft verkauft werden kann. Der Verkauf an sich wird von einem externen Dienstleister abgewickelt.

Wer kann mit der THG-Prämie rechnen?

Alle BesitzerInnen eines E-Autos, auf die das Fahrzeug zugelassen ist, sind dazu berechtigt, die THG-Prämie zu bekommen. Sie wird aber nur für Kfz genehmigt, die ausschließlich von einer Batterie oder einer Brennstoffzelle angetrieben werden. Plug-in-Hybride, in denen zusätzlich ein Verbrennungsmotor verbaut ist, bleiben außen vor. Dieser Umstand bekräftigt das Ziel des Staates, ausschließlich emissionsfreie Fahrzeuge zu fördern. Auf dieser Grundlage ist es verständlich, dass Hybride in Kürze aus dem Umweltbonus fallen werden.

Für den Antrag beim Umweltbundesamt wird die Zulassungsbescheinigung 1 (Fahrzeugschein) benötigt, auf der der Halter oder die Halterin eingetragen ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Fahrzeug gekauft wurde oder als Leasingwagen genutzt wird.

THG-Quote gilt auch für E-Motorräder und weitere Fahrzeuge

Die THG-Prämie wird auch für elektrisch betriebene Leichtkrafträder, Motorräder und E-Roller, die 45 km/h überschreiten, ausgezahlt. Zudem fallen elektrische Lastkraftwagen, Busse und Transporter unter die Regelung.

Wie läuft der THG-Handel ab?

Im Vergleich zu einem Stromanbieter ist der Verbrauch eines einzelnen Fahrzeugs unbedeutend. Daher werden im Privatsektor aus organisatorischen Gründen Dienstleister zwischengeschaltet, welche die Zertifikate sammeln und gebündelt an ein Unternehmen verkaufen, das zur Quote verpflichtet ist.

Welche Anbieter kommen infrage?

Inzwischen haben einige Anbieter das Geschäftsmodell erkannt. Automobilclubs und Stromanbieter wickeln das Geschäft im Namen von Privatleuten ab. Zudem betreten immer mehr Unternehmen den Markt, welche sich auf den Verkauf von Emissionszertifikaten konzentrieren. Die Anbieter behalten als Aufwandsentschädigung einen prozentualen Anteil der Prämie ein, der nicht einheitlich bemessen ist. Daher ist es empfehlenswert, den günstigsten Anbieter über einen Vergleich zu ermitteln.

Die Übermittlung des Fahrzeugscheines

Ist der beste Anbieter ausgewählt, muss diesem über dessen Plattform der Fahrzeugschein des E-Autos zugesendet werden. In der Regel ist es ausreichend, das Dokument mit dem Handy zu fotografieren und hochzuladen.

Wie kommt das Umweltbundesamt ins Spiel?

Der beauftragte Zwischenhändler sendet sowohl den Antrag als auch den beigefügten Fahrzeugschein an das Umweltbundesamt. Dieser Vorgang nimmt eine gewisse Zeitspanne in Anspruch. Aus organisatorischen Gründen wartet der Dienstleister nämlich, bis eine ausreichende Anzahl an Anträgen zusammengekommen ist.

Den Fahrzeugen, die den Vorgaben für eine Zertifizierung entsprechen, wird das Dokument ausgestellt und an den Anbieter zurückgesendet. Es empfiehlt sich, die Anträge für 2022 noch vor Jahresende einzureichen. Die Dienstleister können die Anträge des laufenden Jahres nur bis zum 28.02.2023 an das Umweltbundesamt weitergeben.

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Die Auszahlung der THG-Prämie

Ist der Anbieter in Besitz des Zertifikats, kann er es an ein entsprechendes Unternehmen verkaufen. Danach gibt der Dienstleister den Betrag an die KundInnen weiter. Dabei behält er einen Teil der Summe als Provision ein. Die Höhe dieser Provision richtet sich nach dem vorher vereinbarten Auszahlungsmodus. Möglich sind sowohl ein Fixbetrag als auch eine flexibel ausgehandelte Prämienzahlung, die sich danach richtet, welchen Erlös der Dienstleister beim Verkauf des Zertifikats erzielen kann.

Die AntragstellerInnen müssen sich derzeit darauf einstellen, dass die Auszahlung mehrere Wochen bis einige Monate in Anspruch nimmt. Die THG-Prämie ist sehr begehrt und die Kapazitäten des Umweltbundesamtes sind ausgelastet.

Welcher Betrag wird derzeit als THG-Prämie ausgezahlt?

Zurzeit sind Prämienzahlungen bis zu einer Höhe von etwa 400 EUR möglich. Die Höhe der Prämie ist neben dem aktuellen Marktwert vom jeweiligen Zahlungsmodell abhängig. So kann zwischen den KundInnen und dem Anbieter eine festgesetzte Prämie vereinbart werden. Eine solche wird unter Umständen schon vor dem eigentlichen Verkauf des Zertifikats vom Dienstleister an die AntragstellerInnen ausgezahlt.

Bei einer flexiblen Prämie ist das nicht möglich. Der Betrag errechnet sich nach der Höhe des Entgelts, welches der Zwischenhändler für das Zertifikat erhält.

Die THG-Prämie ist für Privatleute steuerfrei

Wenn das E-Auto ausschließlich privat genutzt wird, ist die THG-Prämie steuerlich irrelevant. Der Betrag muss in der Einkommensteuererklärung aufgeführt werden. Wird das Fahrzeug gewerblich genutzt, gilt die Prämie als Betriebsvermögen und muss versteuert werden.

Die THG-Quote nicht verfallen lassen!

Der THG-Quotenhandel ist keine Pflicht. Wenn die THG-Prämie allerdings nicht beantragt wird, verschenken die HalterInnen von E-Autos jedes Jahr mehrere hundert Euro. In einem solchen Fall behält sich die Bundesregierung laut Gesetz vor, die nicht beantragten Zertifikate selbst zu verkaufen. Wer auf das Geld nicht angewiesen ist, kann den Betrag für einen guten Zweck spenden und beim Finanzamt geltend machen.

Tobias Wringer

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