Was Sie über Tinnitus wissen sollten

Was Sie über Tinnitus wissen sollten

Tobias Wringer

Erstellt | Geändert

Ein vorübergehendes Pfeifen, Piepsen oder Brummen im Ohr hat wohl fast jeder schon einmal erlebt. Es kommt und vergeht – und bleibt dann auch weg. Bei Patienten mit Tinnitus gehören solche Geräusche jedoch zum Alltag. Lesen Sie hier alles über Symptome, Ursachen und Behandlung des Ohrensausens!

Tinnitus: Welche Symptome gibt es?

Die verschiedenen Tinnitus-Arten können eine ganze Reihe verschiedener Symptome verursachen. Ursprünglich kommt der Begriff vom lateinischen „tinnire“ für klingeln, schellen oder klimpern. Genau diese Geräusche verursacht der Tinnitus unter anderem. Darüber hinaus kann es ein Rauschen, Piepsen, Pfeifen oder ein ähnlicher Ton sein.

Charakteristisch für den echten Tinnitus ist: Er kommt nicht aus der Umwelt, sondern wird vom Körper selbst erzeugt. Der objektive Tinnitus ist dabei tatsächlich vorhanden – etwa durch das Rauschen des Blutes in den Gefäßen –, kommt in der Praxis jedoch äußerst selten vor. (1)

Anders ist das beim subjektiven Tinnitus, der quälende Geräuschwahrnehmungen auslösen kann, die nicht von einer Schallquelle im Körper stammen. Belasten die wahrgenommen Ohrgeräusche den Patienten, gilt der Tinnitus als eigenständige Erkrankung und wird auch als solche behandelt.

Tinnitus: Was sind die Ursachen?

Tinnitus-Symptome können Menschen in jedem Alter betreffen. Gehäuft treten sie jedoch beiälteren Menschen und Patienten mit Hörproblemen auf. Durch Musikfestivals, Konzerte und andere sehr lärmintensive Freizeitgestaltungen steigt inzwischen allerdings auch der Anteil jüngerer Tinnitus-Patienten.

Während der objektive Tinnitus mit körperlichen Auslösern wie Blutarmut oder Herzklappenerkrankungen ein recht enges Spektrum an Ursachen hat, kann der subjektive Tinnitus von einer ganzen Anzahl verschiedener Gründe herrühren. (2)

Liegt beispielsweise eine Ohrerkrankung vor wie eine Mittel- oder Innenohrentzündung, ein Trommelfelldefekt oder eine sogenannte Otosklerose, kann ein akustisches Trauma den Tinnitus auslösen. (3) 
Laute Geräusche, etwa durch Kopfhörer oder ein Konzert, können dann reichen und es pfeift im Ohr. Ähnliches gilt nach dem Hörsturz. Patienten mit Schwerhörigkeit, bestimmen Stoffwechselerkrankungen oder Morbus Meniére neigen ebenfalls dazu, einen Tinnitus zu entwickeln. (4)

Nicht immer aber muss für den Tinnitus die Ursache im Hörapparat selbst liegen. Blockaden in der Halswirbelsäule, Probleme im Bereich von Zähnen oder Kiefer, Hormonschwankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen können genauso mit den lästigen Ohrgeräuschen einhergehen. (5)

Mitunter wird der Tinnitus auch von der Psyche ausgelöst: Stress, Depressionen, Ängste oder eine posttraumatische Belastungsstörung erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines Tinnitus. (6)
Oft als Tinnitus-Ursache übersehen werden Medikamente. Einige Medikamentengruppen wie Diuretika, diverse Psychopharmaka, Antibiotika und Krebsmedikamente können Geräusche im Ohr auslösen. (7)

Die Tinnitus-Behandlung

Mit Medikamenten lässt sich ein chronischer Tinnitus leider nicht heilen. Ziel der Behandlung ist deshalb das Management des Ohrgeräusches, sodass es die Betroffenen weniger belastet. Für den chronischen subjektiven Tinnitus gibt es verschiedene Strategien, die für jeden Patienten individuell zusammengestellt werden müssen.

Beratung und Psychotherapie

Eine umfassende ärztliche Beratung bildet die Grundlage für das Management eines chronischen Tinnitus. Mit dem vermittelten Wissen und einfachen Strategien sollten die Patienten lernen, mit ihrer Erkrankung entspannter zu leben.

Oft ist die Beratung durch psychotherapeutische Verfahren ergänzt. Sie zielen darauf ab, mit den Betroffenen Ablenkungsstrategien zu entwickeln, Stresssituationen besser zu bewältigen und die Akzeptanz des Geräusches zu erhöhen. Letztere ist dabei nicht zu unterschätzen, da sie beeinflusst, wie störend der Tinnitus wahrgenommen wird.

Kognitive Verhaltenstherapie

Die Europäische Tinnitus-Leitlinie empfiehlt zur Behandlung von Tinnitus die kognitive Verhaltenstherapie (KVT), die in 5 bis 15 Einzel- oder Gruppenterminen stattfindet. (8)   
Anhand eines strukturierten Therapiehandbuchs lernen Patienten, so mit dem Ohrgeräusch umzugehen, dass es sie im Alltag nicht mehr so stark belastet. Im Fokus steht also die Einstellung der Betroffenen zum Tinnitus.

Entspannung und Stressbewältigung

Neben psychotherapeutischen Methoden zur Stressreduktion können auch eine ganze Reihe weiterer Entspannungstechniken beim Tinnitus zum Einsatz kommen. Die Behandlung umfasst dann alles von der Meditation bis zur Fantasiereise. Der Fokus rückt dabei auf die zentralen Elemente der Entspannungstechnik wie die bewusste Entspannung der Muskulatur oder das Visualisieren von Bildern. Ziel sind auch hier Stress- und Belastungsreduktion sowie die Ablenkung vom Ohrgeräusch.

Tinnitus-Noiser und -Masker

Unter Noisern versteht man Geräte, die ein Rauschen als Gegenton zum Tinnitus erzeugen. Sie sollen das Gehirn trainieren, das Ohrgeräusch selbst als unwichtig einzustufen und bestenfalls ganz auszublenden. Ein Tinnitus-Masker soll das Ohrgeräusch dagegen übertönen. Beide Behandlungen sind in der Praxis beliebt, wissenschaftlich aber noch nicht genügend belegt. (9), (10)

 

Quellen:
(1) DFV Deutsche Familienversicherung AG: Tinnitus: Ursachen, Symptome & Behandlung. URL: (13.12.2021).
(2) ebd.
(3) ebd.
(4) ebd.
(5) ebd.
(6) ebd.
(7) ebd.
(8) Cima, R. F. F. u.a.: „Multidisziplinäre europäische Leitlinie für Tinnitus: Diagnostik, Einschätzung und Behandlung.“ In: HNO (2019) Nr. 67. S. 10-42, hier S. 24.
(9) Georg Thieme Verlag KG: Masker bei Tinnitus. URL: (13.12.2021).
(10) Georg Thieme Verlag KG: Noiser bei Tinnitus. URL: (13.12.2021).

 

 

 

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