Warum die „Wiesn“ auch 2021 abgesagt wurde

Warum die „Wiesn“ auch 2021 abgesagt wurde - und was wir von 2022 erwarten können

Tobias Wringer

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Die Bestürzung war groß, nicht nur bei den Bierliebhabern Europas, sondern auch weltweit, als am 3. Mai bekannt wurde, dass unsere „Wiesn“ zum zweiten Mal in Folge abgesagt wurde. Bayerns berühmtestes Ereignis wird laut der Entscheidung des Bayerischen Ministerpräsident Markus Söder, der die Absage schweren Herzen verlautbarte, auch diesen Herbst nicht stattfinden können.
Während diese Nachricht ein weiterer Schlag für die lokale Wirtschaft und die Urlaubspläne von Millionen von Oktoberfest-Feierwilligen ist, haben die meisten Menschen die Entscheidung akzeptiert. Denn die COVID-Pandemie fordert in vielen Ländern der Welt immer noch ihren Tribut. Und schließlich ist die „Wiesn“ ja ein internationaler Event. Aber aus der Enttäuschung und der daraus resultierenden Traurigkeit keimte jedoch schnell neue Hoffnung auf. Und zwar, dass der Event im kommenden Jahr ein mit Spannung zu erwartetem Ereignis sein wird. Wann wurde in der Geschichte dieses Festes so sehnlich auf ein „O'Zapft Is!“ gewartet?

Warum findet die Wiesn auch dieses Jahr nicht statt?

Das Oktoberfest in München ist ein wahrhaft globales Ereignis, an dem nicht nur die Freunde des Gerstensaftes aus aller Welt teilnehmen. Während in normalen Zeiten diese mehrwöchige Veranstaltung ein wahrhaftes Erlebnis ist, bringt jedoch die grassierende Pandemie offensichtliche Gefahren mit sich. Die roten Listen und die Fallzahlen sind gegenwärtig immer noch zu volatil, als dass langfristige Planungen möglich wären. Und so war schon seit längerem die Durchführung des Oktoberfests 2021 mehr als nur in Schwebe. Die anlaufenden Planungen wurden von Tag zu Tag auf Grund der unseligen Fallzahlen immer schwieriger, wenn gar nicht unmöglich.

Ministerpräsident Söder betonte immer wieder in seinen Überlegungen zur Durchführung dieses Festes die intime Atmosphäre der Veranstaltung und sagte, dass "soziale Distanzierung, Maskenpflicht und andere vorbeugende Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie in diesem Fall einfach unmöglich umzusetzen sind".

Verglichen mit anderen Großveranstaltungen müssen sich die Münchner natürlich schwertun, denn bei keinem anderen Event sind zur gleichen Zeit so viele Menschen innerhalb eines sehr kleinräumigen Gebiets. Da tun sich zum Beispiel die Filmfestspiele in Cannes wesentlich leichter. Hier müssen die Teilnehmer beim Eintritt zur Veranstaltung lediglich einen negativen PCR-Test mitführen und bei Verlangen vorzeigen. Und in Mekka des US-Amerikanischen Glücksspiels, in Las Vegas, müssen die Spieler ihre Blackjack-Strategie an räumlich getrennten Tischen zum Einsatz bringen. Leider sind die Menschenansammlungen auf engsten Raum – besonders in geschlossenen Zelten – eine Brutstätte für mögliche Krankheitserreger, vor allem in Zeiten höchster Ansteckungsgefahr. Diese Gefahr und Bedrohung als Ausgangspunkt einer landesweiten Katastrophe kann und will niemand verantworten.

Auch aus diesem Grund meldete Söder Bedenken an, dass ein derart „intimes Ereignis“ einen „nichtwiedergutmachenden Tsunami“ auslösen könnte, vor allem dann, wenn das Virus innerhalb weniger Stunden große Menschenmassen infiziert. Die Marke Oktoberfest würde "für immer beschädigt" werden, und, was sicher noch wichtiger ist, die Gesundheit vieler Besucher würde gefährdet werden.

Nicht nur jene Millionen von Menschen, die eine ihrer Lieblingsjahreszeiten verpassen werden, wird die finale Absage betreffen, sondern auch die lokale Wirtschaft wird wieder schwer in Mitleidenschaft gezogen werden. Die „Wiesn“ spült jedes Jahr mehr als eine Milliarde Euro Umsatz in die Region München, wobei die Veranstaltung von 2019 mit 1,23 Milliarden Euro sogar für einen bisher noch nicht da gewesenen Spitzenwert sorgte. Das bisher letzte Jahr des Oktoberfests sorgte für den höchsten Umsatz aller Zeiten. Alle Unternehmen, die direkt oder indirekt vom größten Volksfest der Welt profitieren, seien es nun Hotels und andere Beherbergungsbetriebe, Sightseeing-Touren bis hin zu den örtlichen Brauereien, werden die verpassten Einnahmen erneut ernsthaft zu spüren bekommen.
Aber trotz dieser Tiefschläge blicken die Organisatoren der Veranstaltung optimistisch in die Zukunft. Jeder, der mit dem Gelingen dieses Events zu tun hat, will unter allen Umständen das Oktoberfest 2022, nach einer sprichwörtlichen Durststrecke von zwei Jahren, wieder zum Laufen bringen. Die Maß soll wieder Herbstsaison haben und auf den Bänken soll wieder getanzt werden.

Was darf die „Wiesn“ 2022 erwarten?

Die Theresienwiese hat auch in seiner bewegten Geschichte schon mehrere Absagen über sich ergehen lassen müssen und hat sich auch von diesen Rückschlägen immer wieder erholt.  So wurde das Fest während der beiden Weltkriege des vorigen Jahrhunderts komplett aus dem Kalender gestrichen, es fiel einer Cholera-Epidemie 1854 zum Opfer, aber auch die galoppierende Inflation und Währungsumstellung in Deutschland in den Jahren 1923 und 1924 machten die Durchführung unmöglich. Aber die „Wiesn“ kam immer trotz alle der unterschiedlichsten Widrigkeiten wieder zurück.
Die Organisatoren hoffen nun auf ein Wiederaufleben für das Jahr 2022, und am 17. September um die Mittagszeit soll es dann endlich wieder so weit sein. Der Oberbürgermeister von München wird endlich wieder nach guter, alter Tradition das erste Fass anschlagen und „O'Zapft Is!“ rufen!
Aber ganz ohne Neuerungen wird es dann nicht gehen können. Noch immer wird die Welt zu diesem Zeitpunkt unter den Nachwirkungen der Pandemie zu leiden haben, daher werden Gesundheitstests wahrscheinlich eine große Rolle spielen. Experten gehen davon aus, dass in einem Jahr neuartige Corona-Schnelltest-Methoden erhebliche Fortschritte beim Nachweis gegen das Virus bringen werden.

Auch auf das „social distancing“ wird 2022 auf jeden Fall geachtet werden müssen, denn bei einem solch freudigen Anlass ist es äußerst schwierig genügend Abstand zu anderen Personen einzuhalten. Daher werden die Abstände zwischen den einzelnen Tischen größer sein und auch die Anzahl der Besucher wird reglementiert werden. Die Veranstaltung im Jahr 2019 zog über sechs Millionen Besucher an, aber die Zahlen für das nächste Jahr werden und müssen bestimmt viel niedriger sein. Denn es wird im Sinne der Organisatoren sein, die Veranstaltung so COVID-unfreundlich wie nur irgendwie möglich zu gestalten.

Und für alle Freunde des Oktoberfestes wird zu hoffen sein, dass am Abschlusstag der Wiesn 2022,  am 3. Oktober, alle Besucher ein großes Ereignis mitgemacht haben werden, egal ob in den vielen angesagten Zelten, am Teufelsrad, bei der Hexenschaukel oder beim Riesenrad, um nur einige Attraktionen zu nennen. Die Ausgabe von 2022 verspricht eine der herzlichsten aller Zeiten zu werden, da wir nun wissen, was es bedeutet, nicht alles für selbstverständlich anzusehen.


Tobias Wringer

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