27.06.2017

von B° (MZ)

Fluggastrechte in der EU: Welche Ansprüche Sie geltend machen können

Die Europäische Union stattet die Fluggäste mit umfangreichen Rechten aus, die einen Schadensersatzanspruch bei Flugverspätungen unter bestimmten Bedingungen vorsehen.

Fluggastrechte in der EU: Welche Ansprüche Sie geltend machen können

Auch in der diesjährigen Saison werden viele Urlauber ihre Reise mit dem Flugzeug antreten. Insbesondere bei längeren Distanzen überwiegt der Komfort gegenüber anderen Verkehrsträgern; viele Reiseziele sind überhaupt mit dem Flugzeug erreichbar. Nicht immer verläuft der Weg zum Urlaubsdomizil so reibungslos wie erhofft.

Flugverspätungen oder -Ausfälle können dafür sorgen, dass die Reise nicht nur mit positiven Erinnerungen verknüpft wird. Die Europäische Union stattet die Fluggäste allerdings mit umfangreichen Rechten aus, die einen Schadensersatzanspruch bei Flugverspätungen unter bestimmten Bedingungen vorsehen. Problematisch dabei: Aus Angst vor einem langwierigen Rechtsstreit setzen viele Urlauber dieser Ansprüche nicht durch.

Welche Rechte Fluggäste haben

Prinzipiell gelten sämtliche Rechte, die nachfolgend genannt werden, der Abflug in der EU war oder wenn die Airline ihren Sitz in der EU hat und die Landung in der EU war Dabei werden Hin- und Rückflug stets separat betrachtet, selbst wenn diese zusammen gebucht wurden. Bei einem längeren Flug mit mehreren Zwischenlandungen kommt es immer auf die tatsächliche Verspätung am Endziel an. Dabei ist es wichtig, dass alle Teilflüge in einer Buchung gekauft wurden. Wird also ein Anschlussflug verpasst, weil sich der Zubringerflug verspätete oder ausfiel, richtet sich der Schadensersatzanspruch nach der Verspätung am Endziel und der Gesamtstrecke. (Natürlich gilt auch hier die Regel bzgl Abflug oder Landung in der EU und bei letzterem muss zusätzlich der Sitz der Airline in der EU sein).

 

 Sofern die Verspätung mindestens 3 Stunden erreicht, winken 250 bis 400 Euro Entschädigung. Welche Summen von der Fluggesellschaft konkret zu bezahlen sind, hängt von der Flugstrecke ab; die untere Entschädigungsgrenze gilt für Flüge bis 1.500 km.

Bei einer Verspätung von mindestens 4 Stunden und einer Flugstrecke von mehr als 3.500 km müssen gar 600 Euro Entschädigung gezahlt werden. Maßgeblich ist dabei die Wartezeit bei Ankunft. Es ist durchaus denkbar, dass der Pilot eine gewisse Verspätung während des Fluges noch aufholen kann. Schon vor dem Abflug außerhalb des Zeitplans hat die Airline sich um das Wohl der Passagiere zu kümmern. Bei einer Verspätung von mindestens 2 Stunden sind Betreuungsleistungen wie Mahlzeiten, Erfrischungen sowie zwei Telefonaten zu gewähren.

Unabhängig von der Flugstrecke gilt ab einer Verspätung von mindestens 5 Stunden vor Abflug, dass der Passagier das Recht auf eine Erstattung des Ticketpreises oder eine Umbuchung hat. Zusätzlich ist es möglich, Schadensersatz geltend zu machen, wenn im Zuge der Flugverspätung ein weiterer Schaden eingetreten ist. Darunter könnte beispielsweise fallen, dass die Verspätung dafür sorgt, dass ein wichtiger Termin nicht wahrgenommen werden kann. Sogenannte "außergewöhnliche Umstände" können allerdings zu einem Haftungsausschluss führen. Zu diesen Umständen gehören beispielsweise Streiks, Radarausfall oder Verspätungen wegen einer verzögerten Landeerlaubnis. Die Fluggesellschaften sind darüber hinaus dazu verpflichtet, auf die Rechte der Reisenden gut sichtbar hinzuweisen. Dafür kommen am Abfertigungsschalter ausgelegte Informationsbroschüren oder Hinweisschilder in Betracht.

Durchsetzung der Fluggastrechte häufig schwierig

Problematisch erweist sich häufig die Durchsetzung dieser Rechte. Forderungen nach den gesetzlich garantierten Entschädigungssummen werden häufig abgewiesen. Dabei ist es keinesfalls so, dass die Fluggesellschaften davon ausgehen, im Recht zu sein - sie hoffen ganz einfach darauf, dass die Passagiere nicht bereit sind, für die insgesamt moderaten Beträge einen Rechtsstreit zu riskieren. Die Anzeige von Verstößen wird in Deutschland durch das Luftfahrtbundesamt in Empfang genommen. Als offizielle Durchsetzungs- und Beschwerdestelle ist die Behörde für die Wahrung der Rechte von Fluggästen verantwortlich. Auch bei der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr e.V. (SÖP) kann ein Schlichtungsantrag gestellt werden, wenn die Antwort der Airline auf eine Beschwerde nicht zufriedenstellend ausfällt.

Eine weitere Alternative besteht darin, den Dienstleister Flightright einzuschalten. Auf der Website des Anbieters können anhand der Flugnummer mögliche Ansprüche geprüft werden, die durch den Dienstleister im Namen seines Kunden durchgesetzt werden - zur Not auch vor Gericht. Die erstrittenen Entschädigungsleistungen werden dem Kunden abzüglich einer Provision überwiesen. Auch wenn dadurch nicht die gesamte Summe beim Fluggast landet, handelt es sich um eine durchaus interessante Alternative zum Gerichtsverfahren - der Aufwand fällt erheblich geringer aus.

Fazit: Europäischer Fluggast ist umfangreich geschützt

Die EU ist darum bemüht, die Rechte der Fluggäste umfangreich zu schützen. Neben Entschädigungen bei Flugverspätung oder -Annulierung muss die Airline beispielsweise auch bei Gepäcksverlust zahlen - nach dem Montrealer Übereinkommen derzeit maximal 1.300 Euro. Bei der Durchsetzung der Rechtsansprüche können Schlichtungsstellen helfen; einige Dienstleister haben es sich darüber hinaus zur Aufgabe gemacht, die Rechte der Flugpassagiere gegenüber den Airlines durchzusetzen.

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