26.09.2017

von B° JZ

Bayerische Spielbanken auf der Suche nach Verlierern

Von den insgesamt neun bayerischen Spielbanken sind sechs in die roten Zahlen geraten. Der Ausgleich ihres Defizits erfolgt durch Steuereinnahmen.

Bayerische Spielbanken auf der Suche nach Verlierern

Von den insgesamt neun bayerischen Spielbanken sind sechs in die roten Zahlen geraten. Der Ausgleich ihres Defizits erfolgt durch Steuereinnahmen. Doch schon seit Jahren ist eine sinkende Nachfrage bei den klassischen Spielcasinos zu beklagen. Grund dafür ist neben der geringeren Altersgrenze im Ausland auch die zunehmende Beliebtheit an Online-Casinos. Einige Spielbanken unternehmen durch spezielle Aktionen den Versuch, neue Besucher zu gewinnen.

Casinobesucher durch Sonderaktionen anlocken

Die Spielbank Bad Füssing hat einige Ideen, damit sich ihre Besucher dort wohl fühlen. Mitunter bietet sie Freibier oder Brote mit Obazdn an. So soll sich der Besuch nicht nur auf das simple Glücksspiel beschränken. Diese Meinung wird mittlerweile von sämtlichen neun staatlichen Spielbanken Bayerns vertreten. Unweit vom Roulettetisch erhält der Gast die Gelegenheit, seine Mahlzeiten im Restaurant des Casinos einzunehmen. Im Haus der Spielbank Füssing befindet sich zudem die Kulturbühne, in der Lesungen und Konzerte genossen werden können. Das Gemeindezentrum sprach sogar von einem Unterhaltungszentrum, das über ein fast "großstädtisches Nightlife" verfügt.
Letztlich wünschen sich die Casinobesucher, die jeden Donnerstag in den Abendstunden zu Gast sind, vor allem eines: das Spiel mit der Kugel. Auch Stammgäste beklagen, dass in früheren Jahren der Andrang in der Spielbank erheblich größer gewesen sei. Beim Roulette und an den Kartentischen ist im Unterschied zur Automatenregion das Tragen eines Sakkos nach wie vor Pflicht. Ebenso wie bei zahlreichen Gästen lief es auch bei den bayerischen Spielcasinos schon einmal bedeutend besser. Im Jahr 2016 betrug der Bruttospielertrag der Spielbank Bad Füssing 5,9 Millionen Euro. Dabei handelt es sich um die Einsatzsumme, von der die Spielgewinne abgehen. Weil die Kosten jedoch höher ausfallen, machte das niederbayerische Casino ein Minus von 800.000 Euro. Schon seit Jahren schreibt die Spielbank rote Zahlen, was für insgesamt sechs der neun bayerischen Casinos gilt. Nach Angaben des bayerischen Finanzstaatssekretärs Albert Füracker (CSU), sei der seit Jahren andauernde Minustrend mittlerweile aufgehalten worden. So konnten sämtliche Spielcasinos ein Plus von 138.000 Euro verbuchen.

Nur drei Spielcasinos rentabel

Im Grunde sind es allerdings nur drei Spielbanken, die die restlichen bayerischen Casinos mitziehen. Es handelt sich dabei um Garmisch-Partenkirchen, Bad Wiessee und Feuchtwangen. Die restlichen sechs Casinos erlitten dagegen einen Verlust von insgesamt neun Millionen Euro. Verglichen mit den Spielbanken in Bad Reichenhall, Bad Steben und Bad Krötzing steht Füssing noch relativ gut da. So wiesen diese drei Spielbanken Verluste von je zwei Millionen Euro auf. Finanzstaatssekretär Füracker hofft, dass die Spielbanken sich in Zukunft wieder allein tragen können. So brauchte in diesem Jahr kein Ausgleich mit Steuergeldern erfolgen. Heikle Einzelheiten tauchen jedoch nur in dem internen Bericht des Finanzministeriums auf.

Der Ertrag der Casinos sank zudem in der Summe. Von den Spielbankbesuchern wurden 64,6 Millionen Euro verloren. Vor zehn Jahren lag diese Summe noch bei 130 Millionen Euro. Darüber hinaus gingen auch die Besucherzahlen zurück. Die erhoffte Trendwende kam vor allem durch den Abbau des Personals zustande. So ging beinahe jeder fünfte Arbeitsplatz verloren. Proteste dagegen zeigten kaum Erfolg. Die Hoffnung der Angestellten besteht darin, dass für klassisches Roulette eine hohe Anzahl an Personal erforderlich ist. Geht die Anzahl des Personals weiter zurück, wirkt sich dies auch negativ auf Angebot und Ertrag aus.

Personallage angespannt

Eine bedeutende Rolle bei dem geringen Basisgehalt der Croupiers spielt das Trinkgeld. Seit dem Abbau der Stellen sei die Lage nach Angaben der Gewerkschaft Verdi allerdings angespannt. Im Casino von Bad Füssing arbeiten an jedem Roulettetisch zwei Angestellte. Während einer für das Drehen der Kugel sorgt, kümmert sich der andere um die Verlierer-Jetons sowie um die Auszahlung der Gewinne, was Blitzrechnen erfordert. Von dem Kollegen wird diese Tätigkeit überwacht. Nicht selten kommt es dann zum Streit, wem welcher Einsatz zusteht.
Rund fünf Prozent aller Spielbankbesucher sind in Bad Füssing heimisch. Zu den häufigsten Gästen zählen außerdem Urlauber oder Kur- und Rehapatienten aus Passau, die sich die Zeit vertreiben möchten. Doch um sämtliche Kartentische zu füllen, reichen sie nicht aus.

Gründe für das Verlustgeschäft

Vom obersten Rechnungshof wurden die Verluste der bayerischen Spielbanken schon häufiger gerügt. Zu den Hauptursachen zählt der Rechnungshof, der sogar Schließungen empfahl, die Konkurrenz aus Österreich und Tschechien. So darf dort bereits im Alter von 18 Jahren gespielt werden und nicht wie in Bayern erst mit 21. Außerdem ist im Ausland zum Teil das Rauchen in den Casinos möglich.

Konkurrenz durch Online-Casinos

Ein weiterer wichtiger Grund für die Misere ist die Konkurrenz durch Online-Casinos und Automatenhallen. In Bayern verdoppelte sich die Anzahl an ihnen. Darüber hinaus bringt das Online-Glücksspiel einige Vorteile für die Spieler mit sich. So finden sie eine deutlich größere Auswahl an Spielen wie zum Beispiel Live Casino, Poker, Tischspiele oder Spielautomaten in den unterschiedlichsten Versionen vor. Außerdem ist ein Online-Casino nicht an bestimmte Öffnungszeiten gebunden, sodass es dem Spieler sieben Tage in der Woche rund um die Uhr zur Verfügung steht. Zu den größten Pluspunkten gehört sicherlich der Umstand, dass der Spieler von der heimischen Couch aus seiner Leidenschaft nachgehen kann, was für ihn überaus bequem ist. Auch der in den klassischen Casinos vorgeschriebene Dresscode entfällt dadurch. Ebenso ist das Spielen in einem Cafe möglich. Alles, was dazu benötigt wird, sind ein Internetzugang sowie ein Laptop.

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