11.02.2017

von B° (MZ)

Morbus Bechterew: Bewegung und neuartige Medikamente helfen

Die chronisch-entzündliche Rheumaerkrankung Morbus Bechterew führt zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Wird sie nicht behandelt, kann sie zu einer Versteifung der Wirbelsäule führen.

Die chronisch-entzündliche Rheumaerkrankung Morbus Bechterew führt zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Wird sie nicht behandelt, kann sie zu einer Versteifung der Wirbelsäule führen. Das Problem: Bei vielen Betroffenen dauerte es Jahre, bis die richtige Diagnose gestellt wird. 

Langjährige Arzt-Odysseen an der Tagesordnung

Ludwig Hammel weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig Diagnose und Behandlung der chronischen Erkrankung sind. Bei dem heute 58-jährigen Schweinfurter traten die ersten Beschwerden vor 35 Jahren auf. Hammel, Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew (DVMB), erinnert sich: „Es traten plötzlich tief sitzende Rückenschmerzen auf, die ich aber auf den stressigen Beruf geschoben habe. An eine Krankheit habe ich natürlich nicht gedacht. Ich war ja jung und sportlich fit und habe nebenbei als Ski- und Surflehrer gearbeitet.“ Der gelernte Kaufmann besuchte einen Arzt nach dem anderen – keiner der Mediziner konnte sich die Beschwerden des jungen Mannes erklären. Erst nach sieben Jahren stellten 

Rheumatologen in München die richtige Diagnose. 

Eine Fehlsteuerung des Immunsystems verursacht die Entzündungen

Morbus Bechterew ist eine chronisch-entzündliche, rheumatische Erkrankung, die schubweise auftritt. Grund für die schmerzhaften Entzündungsprozesse ist eine Fehlregulation des Immunsystems. Zu Beginn der Erkrankung sind tiefsitzende Rückenschmerzen typisch, die sich im Ruhezustand verschlimmern. Auch Schmerzen im Gesäß und an den Fersen können auftreten. Die Betroffenen klagen zudem über morgendliche Bewegungseinschränkungen, die sich erst durch Bewegung wieder bessern. Mit Fortschreiten der Erkrankung nehmen die Bewegungseinschränkungen zu, was den Alltag der Betroffenen stark beeinträchtigt.

Diagnose Morbus Bechterew – was nun?

Ludwig Hammel hatte zunächst keine Vorstellung davon, was die Diagnose Morbus Bechterew bedeutet: „Der Arzt sagte nur, dass sei eine dramatische Erkrankung, und hat dann gefragt, ob ich eine Reha möchte. Ich war völlig überfordert, habe dem einfach zugestimmt und bin sechs Wochen in eine Klinik nach Oberammergau.“ Gegen die Schmerzen und die Entzündung bekam Hammel sogenannte nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), sprich kortisonfreie Medikamente. Zusätzlich machte er je zweimal pro Woche Einzelgymnastik und Gruppengymnastik, absolvierte weitere Gymnastikeinheiten in Eigenregie. Vor 16 Jahren, als die Versteifung der Wirbelsäule immer weiter fortschritt, entschied sich Hammel zu einer Operation. Mittlerweile hat er seine Probleme im Griff und muss keine Medikamente mehr nehmen.

Neuartige Medikamente sind ein Segen – ohne Sport geht es aber nicht!

Als Betroffener und Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew weiß Ludwig Hammel: „Wer heute unter Morbus Bechterew leidet, hat glücklicherweise bessere Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung“. Das bezieht sich in erster Linie auf neuartige Medikamente, die effektiv wirken und sehr gut verträglich sind. Diese sogenannten Biologika sind biotechnologisch hergestellte Eiweißstoffe, die in das Immunsystem eingreifen und dort gezielt Botenstoffe blockieren, die für die Entzündungsprozesse verantwortlich sind. Bei Morbus Bechterew dürfen Biologika, beispielsweise mit dem Wirkstoff Secukinumab, vom Arzt verordnet werden, wenn andere Medikamente nicht ausreichend ansprechen.

Ludwig Hammel warnt aber, sich nicht ausschließlich auf die Biologika zu verlassen: „Sie wirken so gut, dass Betroffene völlig schmerzfrei sind und dann glauben, alles schleifen lassen zu können.“ Das Problem sei aber, dass der Versteifungsprozess trotzdem weitergehe. Patienten müssten deshalb „dringend Krankengymnastik und Sport machen, um dem Prozess wirkungsvoller begegnen zu können“, so Hammel. 

Betroffene können sich an den DVMB Landesverband Bayern e.V. wenden. Über sechzig örtliche Gruppen in Bayern bieten Hilfe zur Selbsthilfe und informieren über Morbus Bechterew und den Umgang mit der Krankheit.

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